Schweiz

Zuhälter-Ring drängt Minderjährige mit Social Media in die Prostitution

Sugar-Daddys

Zuhälter-Ring drängt Minderjährige mit Social Media in die Prostitution

01.06.2023, 12:43 Uhr
· Online seit 01.06.2023, 12:40 Uhr
Minderjährige Mädchen nehmen auf Social Media Kontakt zu Männern auf und bieten sexuelle Dienstleistungen an. Solche Fälle haben in letzter Zeit für Aufsehen gesorgt. Nun zeigt sich: Hinter den Vorfällen steckt ein Ring von Online-Zuhältern.
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Es ist ein Fall, wie er in letzter Zeit mehrfach vorgekommen ist: Eine Minderjährige aus Winterthur nimmt mit der Nachrichten-App Snapchat Kontakt zu einem Mann auf. Die beiden chatten über Sex, tauschen eindeutige Bilder und Videos aus. Nach einem guten Monat vereinbaren sie ein Treffen. Der Mann bietet der Jugendlichen 250 Franken für sexuelle Handlungen bei ihm zu Hause. Ihr Alter: 14 Jahre.

Im Raum Schaffhausen sind Verfahren gegen rund zehn Personen hängig, in denen Jugendliche auf ähnliche Weise sexuelle Dienste angeboten haben sollen. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob es sich um vereinzelte Fälle handelt, als ob die Mädchen aus eigenem Antrieb heraus handelten. So war es auch die 14-Jährige aus Winterthur, die den Freier anzeigte.

Sugar-Daddys machen Mädchen von sich abhängig

Doch wie die «NZZ» berichtet, steckt hinter der Online-Prostitution ein System der Ausbeutung. Im Hintergrund stehen dabei erwachsene Männer, welche Mädchen in die Prostitution führen. Die Jugendlichen werden durch das Geld angelockt, das sie mit den Treffen verdienen können. Ohne es zu merken, geraten sie in ein Abhängigkeitsverhältnis zu den sogenannten Sugar-Daddys.

Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen würden derzeit Ermittlungen gegen mutmassliche Hinterleute des Sugar-Daddy-Rings geführt. Mehrere Verdächtige sässen in Untersuchungshaft. Der Vorwurf lautet nicht nur Förderung von Prostitution und Pornografie, sondern auch Menschenhandel.

Wegen Menschenhandels werde ermittelt, weil die Jugendlichen zu sexuellen Diensten manipuliert würden, ohne es zu merken. Bei minderjährigen Opfern sei kein Zwang nötig, damit sich eine Tat als Menschenhandel qualifiziert. Ob sich die Vorwürfe bestätigen, muss die Untersuchung zeigen. Wie viele Mädchen sich in diesem System prostituierten, wollte die Staatsanwaltschaft noch nicht bekannt geben.

Online-Prostitution fällt weniger auf

Prostitution von Minderjährigen komme in der Schweiz relativ selten vor, schreibt die «NZZ» weiter. Das liegt auch daran, dass sie sich nur schwer verbergen lasse. Gehe es etwa um Strassenstriche oder Sexarbeit in Bordellen, falle die Ausbeutung bei Kontrollen der Behörden schneller auf und komme so ans Licht.

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Weil sich die Vorgänge im Fall der minderjährigen Winterthurerin aber auf Social Media sowie im Privaten abspielten, sind sie schwerer aufzuspüren. Der Mann, der die Jugendliche zu sich einlud, gestand die Tat vor dem Bezirksgericht in Horgen. Das Gericht sprach ihn wegen sexueller Handlung mit einem Kind sowie mehrfacher Pornografie schuldig. Ob das Mädchen manipuliert wurde, bevor sie sich auf Snapchat anbot, spielte dabei keine Rolle.

(osc)

veröffentlicht: 1. Juni 2023 12:40
aktualisiert: 1. Juni 2023 12:43
Quelle: Today-Zentralredaktion

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