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Deshalb vergessen Eltern ihre Kinder im Auto

Expertin erklärt

Deshalb vergessen Eltern ihre Kinder im Auto

01.07.2023, 08:03 Uhr
· Online seit 28.06.2023, 11:31 Uhr
Immer wieder vergessen Eltern ihre Kinder im Auto, ohne es zu merken. Im Extremfall kann dies tödlich enden. Wie es dazu kommt – und was ein solches Erlebnis mit einem Kind macht – erklärt Erziehungsexpertin Sefika Garibovic.
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Ein noch harmloser Fall ereignete sich erst kürzlich in Deutschland. Deutlich schlimmer ging es in Italien aus: Ein Vater vergass dort sein 11-monatiges Baby im Auto, als er es eigentlich zur Kita bringen wollte, wie «blick.ch» berichtete. Als seine Frau das Kind am Nachmittag abholen wollte, fehlte es in der Kita. Stattdessen sass es immer noch im morgens geparkten Auto in seinem Kindersitz – und war tot. Doch wie kann so etwas passieren? Wie kann man sein Kind einfach vergessen?

Schlechte Eltern – geschädigte Kinder

Sefika Garibovic arbeitet seit Jahren mit Kindern und Jugendlichen, die als «austherapiert» gelten. Als Expertin für Nacherziehung und Konfliktmanagement ist sie bestens vertraut mit solchen Fällen. Für sie ist klar: «Die Eltern schauen nicht mehr richtig für ihre eigenen Kinder. Sie vernachlässigen ihre Aufsicht. Dies hat für die betroffenen Kinder Konsequenzen. Sie fühlen sich verlassen und haben Probleme mit der Beziehung zu ihren Eltern. Dies zeigt sich später auch in der Pubertät.» Die Eltern würden dann oft professionelle Hilfe suchen – obwohl das Problem eigentlich bei ihnen liegt und nicht beim Kind.

Dass Eltern ihre Kinder im Auto vergessen, habe nichts mit Stress oder Vergesslichkeit zu tun. Viel mehr sei es Egoismus, so Garibovic. «Viele Eltern schauen mehr auf ihren Schirm oder ihre Tasche als auf ihr Kind. Kinder sind leider immer häufiger Nebensache.»

«Ich bin dafür, dass man solchen Eltern das Kind wegnimmt»

Für ein Kind ist solch ein Erlebnis – auch wenn es glimpflich ausgeht – nur schwer zu verarbeiten. «Solche Kinder werden traumatisiert. Sie fühlen sich desorientiert und leiden danach oft an Angststörungen», erklärt Garibovic. Sie hat tagtäglich mit Jugendlichen, die unter der fehlenden Aufmerksamkeit und Fürsorge ihrer Eltern leiden, zu tun. Und das obwohl es nicht nur ethisch, sondern auch juristisch Pflicht ist, als Eltern für das Kind zu sorgen.

Wer sein Kind vergisst, der verletzt die Aufsichtspflicht. Für Garibovic ist klar, dass nach so einem Vorfall klare Konsequenzen gezogen werden müssen: «Ich bin dafür, dass man solchen Eltern das Kind wegnimmt. Ein Kind verdient Aufsicht und Aufmerksamkeit. Wer das nicht geben kann oder will, soll keine Kinder haben.»

veröffentlicht: 28. Juni 2023 11:31
aktualisiert: 1. Juli 2023 08:03
Quelle: ArgoviaToday

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