Anzeige
Bienensterben

Ist nun auch die Aargauer Naturkosmetik bedroht?

Sharina Frey, 2. Juni 2021, 22:51 Uhr
Aargauer Frühlingshonig gibt es dieses Jahr praktisch keinen. Doch Honig ist nicht das einzige Produkt der emsigen Bienen. Hat der schlechte Frühling auch Folgen für die lokale Naturkosmetik? Wir haben beim Imker nachgefragt.

Viel Regen und tiefe Temperaturen. So lässt sich das Mai-Wetter zusammenfassen. Für die Imker aus der Region verheerend: Es dürfte dieses Jahr kaum lokalen Honig geben («ArgoviaToday» berichtete).

Neben Honig gibt es aber auch andere lokale Produkte, für die die Imker auf Bienen angewiesen sind. Herbert Röösli aus Freienwil produziert und vertreibt Bienenprodukte und Kosmetika aus Bienenerzeugnissen. Was bedeutet das Bienensterben für sein Familienunternehmen?

Herr Röösli, das Wichtigste zuerst: Welche Auswirkungen hat der nasskalte Mai auf die Produktion Ihrer Kosmetika?

Herbert Röösli: «Wir haben noch genügend Reserven aus dem letzten Jahr, weil das ein gutes Jahr war. Schwankungen wie 2021 gibt es alle paar Jahre wieder. Sollte es nächstes Jahr aber wieder so schwierig sein wie heuer, wird es langsam ungemütlich.»

Wir haben gelernt, dass die Bienen wegen des schlechten Wetters nicht ausfliegen konnten. Jetzt scheint doch aber wieder die Sonne?

«In unserer Region besteht die Haupttracht, also die Hauptnahrungsquelle, aus Rapsblüten. Das macht 85 Prozent der Nahrung aus. Als es regnete, blühte der Raps. Nun sind die schönen, gelben Rapsfelder aber bereits alle wieder grün, die Blüte ist also durch.»

Haben Sie Ihre Bienen auch nachgefüttert?

«Wir mussten nicht nachfüttern. Würden wir das machen, dann nur mit Honig, denn in unsere Kosmetika kommt nur reiner, unverfälschter Honig.»

Welche Bienenerzeugnisse verwenden Sie neben dem Honig für Ihre Produkte eigentlich sonst noch?

Neben dem Honig brauchen wir Bienenwachs, Propolis und in unserer neuesten Gesichtscreme auch Gelée Royale*. Propolis ist eine klebrige Masse, welche die Bienen aus Baumharz gewinnen und dann umwandeln. Es ist als Heilmittel in der Schweiz nicht anerkannt, war aber gerade in der Pandemie sehr gefragt, weil es desinfizierend wirkt und das Immunsystem stärkt.»

Hatte das schlechte Mai-Wetter einen Einfluss auf diese Erzeugnisse?

«Natürlich waren die Bienen durch die Kälte weniger fleissig und haben nicht so viel gebaut. Dadurch gab es schon gewisse Einbussen. Einen Krisenstab rufen wir aber noch nicht aus. Schliesslich steht uns der Sommer noch bevor und unsere Hoffnung liegt auf dem Wald, der erst im Sommer honigt*.»

*Anm. der Red.:

1. Gelée Royale besteht aus einem besonderen Futtersaft, den die Ammenbienen produzieren, um damit die neuen Thronanwärterinnen zu füttern. Die Ernte des Gelée Royale ist sehr aufwendig.

2. Der Wald honigt, wenn vor allem Blatt- und Rindenläuse den zuckerhaltigen Harz, aus dem sie sich ernähren, in Form von Honigtau wieder abgeben.

Quelle: ArgoviaToday / sfr
veröffentlicht: 2. Juni 2021 17:31
aktualisiert: 2. Juni 2021 22:51