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Gesichtserkennung soll kontrollieren, ob Frauen Hidschab tragen

Iran

Gesichtserkennung soll kontrollieren, ob Frauen Hidschab tragen

· Online seit 05.09.2022, 14:34 Uhr
Die iranische Regierung will Gesichtserkennungs-Software in öffentlichen Verkehrsmitteln einsetzen. Das Ziel: Das strenge Hidschab-Gesetz zu untermauern und die Kleidung von Frauen zu kontrollieren.
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Eine Frau, die sich im Iran in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht an die strengen Gesetze zum Tragen von Hidschabs hält, muss künftig damit rechnen, dass Kameras mit Gesichtserkennungs-Software genau scannen, wer sie ist. Und diese Daten dann an die Behörden weiterleitet.

So erklärte Mohammad Sale Hashemi Golpayegani, Sekretär der iranischen Zentrale für «die Förderung der Tugend und die Verhinderung von Lastern», dass man den Einsatz neuer Überwachungstechnologien gegen Frauen plane. Nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln, auch auf Plätzen und Strassen könnte die Software zum Einsatz kommen, wie «The Guardian» schreibt.

Polizei verhaftet Hunderte

Am 15. August hatte Präsident Ebrahim Raisi ein neues Dekret zur Einschränkung der Kleidung von Frauen unterzeichnet. Dieses löste landesweit Proteste von Frauen aus, die in sozialen Medien Videos von sich mit unbedecktem Kopf auf der Strasse, in Bussen und Zügen veröffentlichten. Daraufhin hatten die iranischen Behörden mit einer Flut von Verhaftungen, Inhaftierungen und erzwungenen Geständnissen im Fernsehen reagiert.

Seit 2015 habe die iranische Regierung schrittweise biometrische Personalausweise eingeführt, die einen Chip enthalten, der Daten wie Iris-Scans, Fingerabdrücke und Gesichtsbilder speichert, wie es im Artikel weiter heisst. Forscher befürchten nun, dass diese Informationen mit Hilfe von Gesichtserkennungs-Technologien verwendet werden, um Menschen zu identifizieren, die gegen die vorgeschriebene Kleiderordnung verstossen, sowohl auf der Strasse als auch im Internet.

Innerhalb von Sekunden identifiziert

«Ein grosser Teil der iranischen Bevölkerung ist jetzt in dieser nationalen biometrischen Datenbank erfasst, da viele öffentliche Dienste auf biometrische Ausweise angewiesen sind», zitiert «The Guardian» Azadeh Akbari, Forscher an der Universität Twente in den Niederlanden. «Die Regierung hat also Zugang zu allen Gesichtern; sie weiss, woher die Menschen kommen und kann sie leicht finden. Eine Person in einem Video kann innerhalb von Sekunden identifiziert werden».

(baz)

veröffentlicht: 5. September 2022 14:34
aktualisiert: 5. September 2022 14:34
Quelle: Today-Zentralredaktion

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