Turkey-Teeth-Trend

«Körperverletzung»: Expertin warnt vor türkischer Zahnbehandlung

· Online seit 27.02.2023, 17:33 Uhr
Weiss, weisser, Turkey Teeth – der Traum von makellosen Zähnen ist in Europa allgegenwärtig. «Turkey Teeth» nennt sich der Trend, welcher insbesondere junge Menschen in die südosteuropäischen Kliniken zieht. Dies mit schwerwiegenden Folgen.

Quelle: ArgoviaToday

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Ein umstrittener Trend in den Sozialen Medien sorgt bei vielen für ein strahlend weisses Lächeln. Bei Schweizer Zahnärzten sorgt er jedoch für rote Köpfe. Aus Kostengründen und wegen der Vermarktung durch Influencer reisen derzeit Europäerinnen und Europäer in die Türkei, um sich ihre Zähne dort perfekt bleichen und ausrichten zu lassen. Der Hashtag «turkeyteeth» zählt auf Tiktok bereits 340 Millionen Aufrufe.

Veneers in der Schweiz schon länger verbreitet

Auch hierzulande werden Zahnfehlstellungen, Lücken oder Verfärbungen schon längst korrigiert. Doch in der Schweiz seien sogenannte Veneers am verbreitetsten, wie die Gründerin von «Swissdentalnews», Marion Gredig, erklärt. Veneers sind hauchdünne Zahnschalen, welche aus kosmetischen Zwecken als äussere Schicht an die Zähne angebracht werden. Gredig erläutert, dass in der Schweiz exakt und individuell vorgegangen wird: «Zahntechniker lassen die hauchdünnen Keramikschalen für ihre Kunden individuell anfertigen. Aus diesem Grund müssen die eigenen Zähne nur minimal geschliffen werden.»

Zähne werden bis auf die Stummel runtergeschliffen

Bei den Turkey Teeth handle es sich mehr um Dreiviertelkronen: «In der Türkei bei den günstigen Trendanbietern wählt man aus einem Sortiment verschiedener Standardzähnen. Die eigenen Zähne werden anschliessend so massiv runtergeschliffen, dass teils nur noch Stummel der Zähne vorhanden sind», berichtet Gredig. So können die Zahnreihen mittels eines Zements ohne zeitintensiven Aufwand angeklebt werden.

Die diplomierte Zahntechnikerin ist nicht gänzlich gegen Anpassungen. Man könne sich die Zähne unproblematisch aufhellen lassen oder in der Form verbessern. «Doch dafür braucht es ausdrücklich einen Zahnarzt, welcher nur sehr wenig vom eigenen Zahn abnimmt», so Gredig. Also eine minimalinvasive Abschleifung. Mit dem Turkey-Teeth-Trend gehe dies aber in eine andere Richtung: «Das Abtragen der Zahnsubstanz ist irreversibel. Also alles, was abgeschliffen worden ist, ist nicht ersetzbar und wächst nicht nach.» Im schlimmsten Fall schleift ein Zahnarzt so tief, dass er den Zahnnerv touchiert und der Zahn dadurch abstirbt.

«Die Zähne bei jungen Menschen derart abzuschleifen, führe zu einem irreversiblen Schaden. Da sie nie mehr nachwachsen können, ist das klare Körperverletzung», so die diplomierte Zahntechnikerin. Gredig sowie die Experten von «Swissdentalnews» sind sich einig, dass über die Thematik und die Gefahren des Trends aufgeklärt werden müsse. «Solch eine Behandlung sollte man sich gut überlegen, vor allem sollte man einen richtigen Zahnarzt aufsuchen. Alles andere wird man ansonsten bereuen.»

veröffentlicht: 27. Februar 2023 17:33
aktualisiert: 27. Februar 2023 17:33
Quelle: ArgoviaToday

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