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Mit 76 Jahren: O.J. Simpson ist tot

Familie vermeldet

Mit 76 Jahren: O.J. Simpson ist tot

11.04.2024, 17:30 Uhr
· Online seit 11.04.2024, 16:50 Uhr
Der frühere US-Footballstar O.J. Simpson, der 1995 in einem spektakulären Prozess wegen Mordes an seiner Ex-Frau freigesprochen worden war, ist tot. Simpson sei im Alter von 76 Jahren an Krebs gestorben, teilte seine Familie auf der Online-Plattform X, vormals Twitter, mit.
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Simpson sei am 10. April dem Kampf gegen den Krebs unterlegen, schreibt die Familie auf dem X-Account. Er sei im Kreis seiner Kinder und Enkelkinder gestorben hiess es in dem Post weiter, die Familie bittet für die Trauerzeit nun um Privatsphäre.

Orenthal James Simpson war in den 70er-Jahren Runningback in der amerikanischen Football-Liga NFL, wo er die meisten Jahre für die Buffalo Bills angetreten war und diverse Auszeichnungen für seine Leistungen erhielt. Vor allem aber wurde der charismatische Simpson dank zahlreicher Werbeverträge sowie Film- und TV-Rollen reich. In Europa ist er vor allem durch seine Auftritte als trotteliger Detective Nordberg, der bevorzugt unter einem Bus oder Auto hängen bleibt und mitgeschleift wird, in den drei «Nackte Kanone»-Filmen bekannt. Der Wohlstand bekommt ihm aber nicht gut.

Reichtum durch Filme und Werbung

Simpson bewegte sich in Sphären, von denen die meisten Schwarzen nur träumen konnten. Er liess sich von der Jugendliebe und Mutter seiner drei Kinder scheiden und heiratete die Nachtclub-Kellnerin Nicole Brown, weiss und blond. Doch er galt als aufbrausend und eifersüchtig. Mehrere Male musste die Polizei wegen Meldungen häuslicher Gewalt ausrücken. Als sich Brown von Simpson trennte und scheiden liess, nahm das Unheil seinen Lauf.

Am 13. Juni 1994, kurz nach Mitternacht, wurden vor Browns Apartment die blutigen Leichen von Brown und Goldman gefunden. Schnell galt O. J. Simpson als Hauptverdächtiger, und als DNA-Untersuchungen ergaben, dass ein Handschuh am Tatort und das Gegenstück in Simpsons Haus Blut der Opfer drauf hatten, schien der Fall klar.

Die Hautfarbe als entscheidender Faktor

Doch der Star konnte sich ein «Dream Team» von Anwälten leisten. Schätzungen gehen davon aus, dass Simpsons Verteidigung zwischen drei und sechs Millionen Dollar kostete. In der Regel waren Schwarze in den USA bei Prozessen durch schlecht bezahlte und schlecht ausgebildete Pflichtverteidiger vertreten und wurden entsprechend öfter und härter bestraft. Nicht so bei O. J. Simpson. Er profitierte sogar von seiner Hautfarbe.

Erst zwei Jahre zuvor hatte der Freispruch von vier Polizisten, die den Schwarzen Rodney King verprügelt hatten, zu schweren Ausschreitungen in Los Angeles geführt. Nun spielten Simpsons Anwälte die Rassenkarte aus. Sie konnten beweisen, dass der Polizist, der die wichtigsten Beweise gefunden hatte, ein bekannter Rassist war und säten so Zweifel. Die Geschworenen kamen im sogenannten «Prozess des Jahrhunderts» zu einem überraschenden Freispruch, der von Schwarzen als Meilenstein gefeiert wurde.

Trotz Freispruch: Knast wegen Raubüberfall

Simpson entging so zwar einer wohl lebenslangen Haftstrafe, glücklich wurde er aber nicht mehr. Ein Zivilgericht, wo das Urteil im Gegensatz zum Strafgericht nicht «ohne jeglichen Zweifel», sondern nur als «wahrscheinlich» gefällt werden muss, sprach den Familien von Brown und Goldman 33,5 Millionen Dollar Entschädigung zu. Simpson hat zwar nur einen Bruchteil davon bezahlt und zog nach Florida, einen der wenigen Staaten, in denen ein Haus oder die Rente nicht gepfändet werden kann. Zwischen 2008 und 2017 sass er aber wegen eines Raubüberfalls in Las Vegas (er behauptete, er habe nur Erinnerungsstücke zurückholen wollen, die ihm gestohlen wurden) im Gefängnis.

(red./sda)

veröffentlicht: 11. April 2024 16:50
aktualisiert: 11. April 2024 17:30
Quelle: ArgoviaToday

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