Baden

Badener Anwohnerin kritisiert Stadt und Badenfahrt-OK

12.08.2023, 12:29 Uhr
· Online seit 12.08.2023, 12:27 Uhr
Die Badenfahrt begeistert Tausende Menschen – aber eben nicht alle. «Wir kriegen Lärm und Abfall, aber nicht einmal eine Gratis-Bratwurst», findet eine Badenerin. Das antworten der Stadtrat und das Badenfahrt-OK.
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Badenerinnen und Badener lieben ihre Badenfahrt. Die meisten jedenfalls. Andere schauen dem Volksfest mit gemischten Gefühlen entgegen. Denn für die Anwohnerinnen und Anwohner, die mitten im Festgelände zuhause sind, bringt die Badenfahrt auch viele Einschränkungen mit sich.

Rahel beispielsweise wohnt mitten in der Altstadt. Ihren richtigen Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. Auch andere befragte Anwohner wollen ihre Bedenken lieber nicht laut äussern. Zu gross sei die Angst vor negativen Reaktionen, wenn man schlecht vom «ach-so-beliebten» Fest spricht. Denn Rahel liebt die Badenfahrt nicht. Mehr noch: Sie habe die Schnauze gestrichen voll von ihr.

«Der Lärm, der Abfall, die Besoffenen – es ist nicht zum Aushalten», sagt sie. Schon jetzt, während die vielen Vereine ihre Beizen aufstellen, schlage ihr Krach entgegen: Hämmern, Sägen, LKWs und das direkt vor der Haustüre. Rahel reicht's. Demnächst fährt sie für zwei Wochen zu ihren Eltern. Ins Exil, wie sie sagt.

Anwohnerin schlägt vor, anderen Festperimeter zu prüfen

«An der Badenfahrt 2017 hatte ich vier Musikbühnen und mehrere Bars ums Haus herum», klagt Rahel. «Leute haben mir vor die Haustüre gekotzt und mir ihren Abfall auf die Terrasse geschmissen, die Strassen stanken nach Urin, Besoffene brüllten die ganze Nacht lang.» Zur Ruhe kommen? Fehlanzeige. Dabei habe sie arbeiten müssen. Schliesslich könnten und wollten nicht alle zehn Tage freinehmen, um zu festen.

«Dass unser Quartier regelmässig derart in Besitz genommen wird, halte ich für eine Zumutung», sagt Rahel. «Von uns wird erwartet, dass wir das einfach mittragen. Wir kriegen Lärm und Abfall, aber im Gegenzug nicht einmal eine Gratis-Bratwurst.» Rahel findet es inakzeptabel, dass Anwohnerinnen und Anwohner der betroffenen Quartiere nicht einmal ein Dankeschön erhalten. «Der Trubel ist das eine, das fehlende Entgegenkommen das andere», sagt sie.

Und vielleicht, fügt sie an, könnte man auch für einmal einen anderen Festperimeter prüfen, um die Quartiere zu entlasten. «Aber letztlich sind wir, die das Fest nicht mittragen wollen, doch in der Unterzahl. Wer gegen die Badenfahrt ist, ist chancenlos.»

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OK-Präsident: «Einschränkungen werden gut akzeptiert»

«Ich kann gut nachvollziehen, dass die Badenfahrt auch ein Stressfaktor sein kann», entgegnet OK-Chef Oliver Eglin der Kritik. «Aber letztlich findet das Fest nur alle fünf Jahre statt und wir pflegen einen offenen Dialog mit den Betroffenen.» Im Bäderquartier, das heuer erstmals zum Festperimeter gehört, habe zudem eine Info-Veranstaltung stattgefunden. Im Allgemeinen seien die Rückmeldungen positiv: «Die Einschränkungen werden mehrheitlich gut akzeptiert und mitgetragen.»

Weiter liefere jede Badenfahrt neue Erkenntnisse: So hat das OK die Anzahl Toiletten im Vergleich zur vergangenen Ausgabe verdoppelt. Auch werden mehr Abfalleimer aufgestellt. Müll und Gestank sollen damit auf ein Minimum reduziert werden. «Was die Infrastruktur angeht, werden wir immer professioneller», sagt Eglin.

«Es ist selbstverständlich, dass wir trotz all dieser Vorkehrungen auf die Kulanz der Quartiere angewiesen und dafür auch dankbar sind», sagt Eglin. «Festpässe oder Essensgutscheine verteilen wir aber nicht.» Zum einen, da für Festpässe keine Notwendigkeit besteht – Anwohnerinnen und Anwohner gelangen auch ohne über das Festgelände nach Hause. Beim Essen sei es logistisch nicht möglich, weil die vielen Beizen autonom von individuellen Vereinen betrieben werden.

Auch Stadtammann Markus Schneider (Mitte) ist sich bewusst, dass das Fest nicht bei allen auf Anklang stösst: «Natürlich bringt die Badenfahrt Einschränkungen für die Badenerinnen und Badener mit sich. Die Altstadt ist besonders belastet», sagt er. «Aber das Fest gehört zur Kultur, zur Geschichte und zum sozialen Gemeinsinn unserer Stadt. Alle, die hier wohnen, wissen das.»

veröffentlicht: 12. August 2023 12:27
aktualisiert: 12. August 2023 12:29
Quelle: Aargauer Zeitung, Sarah Kunz

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