Aargau/Solothurn

Das KSA Aarau macht jedes Jahr bis zu 80 Brustverkleinerungen

Übergrosse Brust

Das KSA Aarau macht jedes Jahr bis zu 80 Brustverkleinerungen

21.06.2023, 14:02 Uhr
· Online seit 21.06.2023, 06:01 Uhr
Vermehrt entscheiden sich Frauen dazu, sich die Brüste verkleinern zu lassen. Die Frauen leiden aufgrund ihrer übergrossen Brust unter gesundheitlichen und psychischen Beschwerden. Wir wollten von einem Experten mehr über den Eingriff und die Gründe erfahren.
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Eine Brustverkleinerung ist in der heutzutage keine Seltenheit mehr. Vermehrt entscheiden sich Frauen dazu, sich aufgrund von gesundheitlichen und psychischen Problemen dem rund dreistündigen chirurgischen Eingriff zu unterziehen. So kommt es, dass die Klinik für plastische Chirurgie des Kantonsspitals Aarau pro Jahr etwa 70 bis 80 Brustreduktionen durchführt. Wir haben bei Holger Klein, leitender Arzt plastische Chirurgie und Handchirurgie am Kantonsspital Aarau, nachgefragt.

«Psychologische Probleme sind nicht zu unterschätzen»

Den Entscheid, sich eine übergrosse Brust verkleinern zu lassen, treffen Betroffene, weil sie unter körperlichen Beschwerden leiden. «Es kommt zu Schmerzen im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule sowie zu Hautreizungen bis hin zu chronischen Entzündungen in der Unterbrustfalte», so Klein. Auch herkömmliche Dinge wie das Tragen eines BHs wird für betroffene Frauen zur Herausforderung und können bis zu Hautverletzungen führen. «Sporttreiben ist für die betroffenen Frauen häufig ein Problem, da selbst hochqualitative Sport- und Stütz-BHs die bei Bewegungen auftretenden Erschütterungen der schweren Brust nicht schmerzfrei abfedern», sagt der Mediziner.

Nicht zu unterschätzen sind vor allem die psychologischen Probleme: «Die Frauen entwickeln ein Schamgefühl im öffentlichen und privaten Leben, was zu einem Vermeidungsverhalten führt», berichtet Klein. «Der Aufenthalt in einer Badi oder Sport in der Öffentlichkeit meiden die Frauen. Gerade bei Jüngeren kann das Sexualleben aufgrund des Schamgefühls beeinträchtigt sein», erklärt er. Ebenfalls beschreiben viele betroffene Personen, dass ihnen ihre Brüste aufgrund der Grösse und Form einfach nicht gefallen.

Beschwerden müssen vorliegen

Dass die Brust verkleinert werden kann, braucht es gewisse Voraussetzungen. «Die Frauen benötigen ein normales, stabiles Körpergewicht, wobei der Body-Mass-Index bei 24,9 oder darunter liegen sollte», sagt Klein. Weiter müssen bestimmte körperliche sowie psychische Beschwerden vorliegen, welche auf die grossen Brüste zurückzuführen sind. «Nur so erfüllt eine operative Brustverkleinerung ihren Zweck.» Die Patientin sollte dazu auch volljährig sein: «Wir raten dazu, eine Operation abzuwarten, bis das Brustwachstum abgeschlossen ist. Mit einer Zustimmung der Eltern kann in seltenen Fällen auch vor dem 18. Lebensjahr eine Brutreduktion durchgeführt werden.» Ebenfalls muss sich eine Frau einer gynäkologischen Untersuchung mit Ultraschall unterziehen. Dort wird festgestellt, ob Zysten oder bösartige Gewebewucherungen bestehen.

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Wenn alle Kriterien erfüllt sind, erfolgt eine Anzeichnung bei der Patientin. «Hier können auch individuelle Wünsche berücksichtigt werden und wie die ungefähre Grösse aussehen soll. Dabei muss die Blutversorgung der Brustwarze beachtet werden», erklärt Klein. Daraufhin erfolgt die Operation unter Vollnarkose. Hat die Frau diese überstanden, muss sie für rund sechs Wochen einen Sport-BH tragen.

Wann zahlt die Krankenkasse?

Viele Frauen verzichten auf eine Brustverkleinerung, weil die Krankenkasse oft die Kosten für den Eingriff nicht übernehmen will. Ähnlich war es auch bei Dominique. Erst nach hartnäckigem Nachfrage willigte die Krankenkasse zur Kostenübernahme ein. Klein erklärt: «Es gibt bestimmte Grundvoraussetzungen, damit die Krankenkasse die Kosten für die Behandlung übernimmt.» So muss die Patientin normalgewichtig sein und es müssen körperliche Beschwerden vorliegen, welche auf die zu grossen Brüste zurückzuführen sind. «Ebenfalls muss beispielsweise die Kräftigung der Rückenmuskulatur zur Schmerzlinderung durch ausgewiesene Physiotherapie ausgeschöpft sein.» Ein psychologisches Unterstützungsschreiben hat meist nur einen bedingten Einfluss auf den Entscheid der Krankenkassen.

veröffentlicht: 21. Juni 2023 06:01
aktualisiert: 21. Juni 2023 14:02
Quelle: ArgoviaToday

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