Aargau

Die Stimmung in den Impf- und Testzentren ist teilweise angespannt

23. September 2021, 11:00 Uhr
Die Test- und Impfkapazitäten im Kanton werden zwar laufend ausgebaut, mit der ausgeweiteten Zertifikatspflicht stossen einige Zentren und Apotheken aber an ihre Grenzen. Das hat teilweise unschöne Konfrontationen mit Impf(un-)willigen zur Folge. Wir haben uns umgehört.
Die Stimmung KSA-Impfzentrum ist zwar angespannt – gekippt ist sie jedoch noch nicht
© KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT

Mit der Einführung der Zertifikatspflicht gibt es für Test- und Impfzentren in Spitälern und Apotheken im Aargau viel zu tun. Das Spital Leuggern und auch der Präsident des Aargauischen Apothekerverbands Lukas Korner bestätigten gegenüber ArgoviaToday ein erhöhtes Test- und Impfinteresse der Bevölkerung. Lange Schlange, zu wenige Impf- oder Testkapazitäten und vielleicht auch zunehmend Menschen, die die Impfung nur mit Widerwillen machen, weil der Druck auf Ungeimpfte zunimmt – die Befürchtungen stiegen, Impf- und Testzentren könnten zu einem Pulverfass werden, das explodiert, wenn die Stimmung kippt.

Nach einem Facebook-Post der Linden-Apotheken (unter anderem in Oberentfelden stationiert) schien diese Angst bestätigt. «Wir sehen uns nicht als ‹Anseichpfosten› für alle wütenden Menschen. Wir werden mit Unverschämten nicht mehr wissenschaftlich argumentieren und diskutieren, uns schon gar nicht beschimpfen lassen, nur weil alle unsere Test- und Impftermine ausgebucht sind», hiess es darin.

Alles gar nicht so schlimm?

Andere Erfahrungen macht Sarah Ali von der Vindonissa Rotpunkt Apotheke in Windisch: «Bei uns ist die Stimmung normal und angenehm.» Die Apotheke bietet sowohl Tests als auch Impfungen an und die Nachfrage steige gerade jetzt vor den Herbstferien an. Die Anmeldung laufe online ab, es gebe nun aber auch vermehrt telefonische Anfragen, ob noch weitere als im Internet verfügbare Kapazitäten vorhanden seien. Momentan sei die Vindonissa-Apotheke aber ausgebucht, Ali müsse dann an andere Möglichkeiten in der Region verweisen. Und selbst dann: «Ich empfinde die Stimmung dabei aber normal und nicht aggressiv.»

Ganz so rosig sieht es im Impfzentrum des Kantonsspitals Aarau hingegen nicht aus. Auch dort hat die Nachfrage nach Terminen und auch die Anzahl der Leute zugenommen, die ins sogenannte «Walk-in», also zum Impfen ohne Terminvereinbarung, kommen, sagt die Zentrumsleiterin Barbara Jakopp. Gerade letztere seien dann teilweise schon ungehalten gewesen über die Wartezeiten. Um dem entgegenzuwirken, habe man «mit den Leuten gesprochen, ihnen die Wartezeiten aufgrund der zunehmenden Nachfrage zu erklären versucht und ihnen Wasser und Kaffee angeboten», sagt Jakopp.

Die teils angespannte Stimmung führt sie aber nicht nur darauf zurück, dass, wer sich für die Impfung entscheidet, diese auch möglichst rasch bekommen will. «Gewisse Leute fühlen sich nun auch gedrängt, dass sie sich impfen lassen müssen, weil sie sich ohne Zertifikat nicht mehr so frei bewegen können. Das haben sie auch entsprechend kommuniziert.» Einen Eklat, wo sogar die Polizei hätte anrücken müssen, habe es aber nicht gegeben. Für die Ordnung am Platz aufgrund des höheren Verkehrsaufkommens habe man aber inzwischen zusätzliches Sicherheitspersonal aufgeboten.

Personal ist stärker gefordert

Für das Personal im Impfzentrum sei die Situation teilweise belastend, sagt Barbara Jakopp. «Seit Januar ist unser Personal mit Herzblut Teil der Impfkampagne und leistet einen grossen Einsatz. Das ist sicher auch frustrierend, wenn dann Vorwürfe wegen der Wartezeiten und fehlender Termine kommen.» Man versuche mit gemeinsamen Briefings, solche Situationen zu besprechen und auch zu trainieren, wie man diese Konflikte lösen kann. «Es ist aber sicher nicht einfach, die positive Stimmung zu tragen, wenn man mit dem Ärger der Klientinnen und Klienten konfrontiert wird.»

Das KSA hat die Kapazitäten laut Barbara Jakopp übrigens weiter erhöht. Möglichkeiten, sich impfen zu lassen, gibt es im ganzen Kantonsgebiet immer noch genug. Wer lange Wartezeiten vermeiden will, macht also am besten einen fixen Termin aus und hält die benötigten Unterlagen bereit. So geht die Impfung schnell und unkompliziert vonstatten.

(lba)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 22. September 2021 12:30
aktualisiert: 23. September 2021 11:00
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