Social Media

Hast du den Social-Media-Konsum noch im Griff?

Leonie Projer, 31. Januar 2022, 19:21 Uhr
Instagram, Snapchat und Co. gehören bei den meisten Leuten zum Alltag. Die Apps können aber auch süchtig machen. Experten geben Tipps, wie man mit der Abhängigkeit umgehen kann.
Eine Social Media Sucht kann unter anderem zu Schlafproblemen und Angstzuständen führen.
© Keystone SDA

Stundenlanges Scrollen am Handy ist in unserer Gesellschaft zur Normalität geworden. So auch bei mir, die kurzerhand beschlossen hat, zwei Wochen Entzug zu machen. Doch wie erkennt man, ob man süchtig nach Social Media ist und wie kommt man aus der Abhängigkeit wieder raus? Wir haben bei der Suchtprävention und der Suchthilfe Aargau nachgefragt.

Die Suchtprävention Aargau arbeitet mit Schulen, Eltern und sogar Kitas im Bereich Medienkompetenz zusammen. Damit es gar nicht erst zur Sucht kommt, seien vor allem bei Jugendlichen sogenannte Schlüsselpersonen im Umfeld entscheidend, so Tim Rohr, Fachperson Prävention. «Die Verantwortung liegt auch bei den Eltern und den Lehrpersonen. Diese müssen verstehen, weshalb die Jugendlichen stundenlang online sind. So kann die Beziehung zum Kind gestärkt werden und schneller festgestellt werden, wenn das Social Media Verhalten aus dem Ruder gerät», meint Rohr gegenüber ArgoviaToday. Ebenfalls wichtig sei die Haltung, die man gegenüber den Sozialen Netzwerken vertritt. «Social Media per se zu verteufeln ist der falsche Weg. Auf Social Media kann man mit anderen kommunizieren, was ein Grundbedürfnis der Menschen darstellt», so Rohr. Die digitalen Medien werden zudem nicht mehr weggehen. Entscheidend sei daher, dass man einen gesunden Umgang mit ihnen findet.

Wie stellt man eine Social-Media-Sucht fest?

Ob jemand abhängig nach Social Media ist, könne anhand sechs Kriterien festgestellt werden, erklärt der Fachpsychologe Beat Wyss der Suchthilfe Aargau. Diese sind gleich wie bei anderen Süchten und lauten wie folgt:

«Ein Symptom tritt selten allein auf. Der Kontrollverlust führt beispielsweise dazu, dass man Entzugssymptome hat», so der Suchtberater. Damit man laut WHO von einer Sucht spreche, müssen mehrere Monate lang täglich eines bis drei der Symptome auftreten.

Die psychischen Folgen der Sucht sind zahlreich. Schlaflosigkeit, Verlust des Selbstvertrauens, Minderwertigkeitsgefühle, Vermischung der Fremd- und Selbstwahrnehmung und Angststörungen sind laut Wyss alles psychische Effekte, die ein übermässiger Konsum haben kann.

Wer ist für eine solche Sucht besonders anfällig?

Seit der Coronapandemie kann das Team der Suchberatung einen Anstieg der Social-Media-Abhängigkeit feststellen. Bereits zuvor, so beispielsweise mit dem Aufkommen des Smartphones, habe es aber eine Zunahme an Süchtigen gegeben, so Wyss. Es gibt bestimmte Lebensumstände, die eine Abhängigkeit begünstigen können. «Biografische Lebensereignisse, die mit Stress verbunden sind, können dazu führen, dass Personen eine solche Sucht entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Todesfälle, Familienplanung oder eine Hochzeitsvorbereitung», erklärt der Psychologe. Wenn man innerlich keine Stressregulationen mehr zur Verfügung habe, sei die Versuchung gross, auf Social Media zu gehen, um mit dem Druck umgehen zu können. «Anfällig sind zudem Personen mit wenig Selbstvertrauen, da Social Media die Möglichkeit gibt, sich mit anderen zu vergleichen», so Wyss.

Wie kommt man von Sucht wieder los?

Für Beat Wyss ist entscheidend, dass man den Social-Media-Entzug gut vorbereitet. Nur so könne dieser erfolgreich sein. So müsse man sich vor der Abstinenz Gedanken darüber machen, wie man die freie Zeit nutzen will. Die Phase nach dem Entzug müsse ebenfalls gut geplant sein. «Es lohnt sich, einen fixen Ort und eine fixe Zeit zu definieren, an der man auf Social Media geht. Zudem sollte man Zeiten festlegen, an denen man das Telefon ganz ausschaltet.» Der Suchtberater regt seine Patientinnen und Patienten auch dazu an, ihren Konsum zu hinterfragen. Was bringt es einem, wenn man auf Instagram scrollt? Geht es um Kommunikation oder nur um Ablenkung? Und anstatt anderen dabei zuzuschauen, wie sie bestimmten Aktivitäten nachgehen und sich damit zu vergleichen, könne man auch einfach selbst tätig werden. All dies helfe, die Sucht nachhaltig in den Griff zu bekommen.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Februar 2022 12:11
aktualisiert: 1. Februar 2022 12:11
Anzeige