Aargau/Solothurn

Datenklau? Das steckt hinter den Anschuldigungen gegen Temu

Anschuldigungen

So sicher sind deine Daten bei der Billig-App Temu

09.01.2024, 16:56 Uhr
· Online seit 09.01.2024, 08:05 Uhr
Was steckt eigentlich hinter den Datenschutzanschuldigungen gegen Temu? Screenshots, Datenklau und Apps sollen im Hintergrund heruntergeladen werden. Ein Rechtsanwalt erklärt, wie brenzlig die Lage mit der Shopping-App tatsächlich ist.
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Von Küchenmaschinen über Werkzeug bis hin zu Kleidung oder Accessoires – all das findest du auf Temu. Und dies auch noch besonders günstig. Anfang des Jahres hat die Kantonspolizei Aargau bereits vor asiatischer Billigware gewarnt und deklariert diese als gefährlich. Doch auch der Datenschutz ist ein heikles Thema bei Temu.

Quelle: Tele M1 / Sergio Lüthi / ArgoviaToday / Severin Mayer

Billigprodukte nicht die einzige Einnahmequelle

«Es sollte misstrauisch machen, dass eine Shopping-App Zugriff auf Kamera, Mikrofon, Fotos und das Adressbuch der Nutzer und Nutzerinnen verlangt», sagt die Verbraucherschutzzentrale gegenüber dem «ZDF». Diese Daten seien für die Funktion der App gar nicht erforderlich, heisst es weiter.

Ähnlich sieht es auch Rechtsanwalt und Datenschutzexperte Martin Steiger: «Es gibt zwar Datenschutzerklärungen, Cookie-Richtlinien, man wird gefragt, ob man etwas will oder nicht will. Aber am Schluss ist es Vertrauenssache.» Weiter erklärt er, dass Firmen wie Temu ihr Geld nicht nur mit ihren Produkten machen wollen. Mit den Daten der App-Nutzenden sei es möglich, alles zu personalisieren und den Algorithmus der Shopping-Seite anzupassen.

Viele Anschuldigungen gegen Temu

In einer Dokumentation sind Reporterinnen und Reporter des deutschen Senders «ZDF» den Vorwürfen nachgegangen, welche die amerikanische Firma «Grizzly Research» gegenüber Temu macht. Laut dieser würde Temu unbemerkt Screenshots machen, um die Nutzenden zu überwachen. Zudem könne die App selbstständig weitere Apps aufs Handy laden. «Temu ist die gefährlichste Schadsoftware, die aktuell im Umlauf ist», schreibt Grizzly Research. Die ZDF-Dokumentation kam jedoch zu dem Schluss, dass die Anschuldigungen dieser Firma gegenüber Temu jedoch mit Vorbehalt zu geniessen seien.

ArgoviaToday hat deshalb bei Temu direkt nachgefragt. Wir wollten wissen, wie der Datenschutz der Kundschaft gewährleistet wird? Allerdings nimmt der Konzern in ihrem Antwortschreiben keine direkte Stellung dazu. Aber sie nehmen Bezug auf die Veröffentlichungen von Grizzly Research. «Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts von Grizzly Research LLC haben bestimmte mit Grizzly Research verbundene Personen (zusammen mit oder durch ihre Mitglieder, Partner, verbundenen Unternehmen, Mitarbeitenden und/oder Beratenden), Kunden und Investorinnen und/oder deren Kundinnen und Investoren eine Short-Position in den Wertpapieren eines gedeckten Emittenten (und Optionen, Swaps und anderen Derivaten im Zusammenhang mit diesen Wertpapieren) und werden daher erhebliche Gewinne erzielen, wenn die Kurse der Wertpapiere eines gedeckten Emittenten fallen.» Das schreibt Temu. Dazu weiter: Da Grizzly Research keine Gewähr für die Richtigkeit seiner Veröffentlichungen übernimmt und somit erhebliche Gewinne erzielen kann, wenn dann der Aktienkurs des betreffenden Unternehmens sinkt, welches sie in ein negatives Licht gerückt haben.

«Man muss natürlich dran denken, dass Temu die Schweiz aus Irland bedient, aber natürlich ein globaler Konzern mit chinesischen Wurzeln ist», sagt Martin Steiger. Dabei den Durchblick zu behalten, sei fast unmöglich. «Wenn man sich selbst gut schützen möchte, sollte man die Finger von dieser App lassen.» Wenn man sich dennoch dazu entscheidet, die App zu benutzen, sollte man sich überlegen, ob die App die gefragten Berechtigungen tatsächlich braucht. «Die App möchte auf die Kamera oder auf das Adressbuch zugreifen. Dies sollte man ablehnen. Man hat da Eigenverantwortung.»

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Die Einwilligung für die Datenschutzerklärungen, die man am Anfang geben muss, um die App überhaupt zu nutzen, seien eigentlich nicht rechtsgültig, berichtet Steiger. «Niemand möchte zuerst Stunden damit verbringen, die Texte zu lesen. Das macht niemand. Man kann sie auch nicht ändern. Damit sind die Einwilligungen auch nicht wirklich gültig.» Die Firmen pokern laut Steiger darauf, dass sich niemand dagegen wehrt.

Nicht nur Temu verlangt Einwilligungen

Die Unzufriedenheit der Kundschaft liege allerdings meist nicht am Datenschutz. «Die erlebten Probleme liegen bei den lausigen, zum Teil gefährlichen Produkten», so der Datenschutzexperte. Möchte man sichergehen, dass keine der persönlichen Daten verwendet werden, sei nicht nur von der App, sondern generell von Billiganbietern abzuraten. Auch Social-Media-Apps oder Handyspiele verlangen beispielsweise zu Beginn das Akzeptieren der Datenschutzbestimmungen.

veröffentlicht: 9. Januar 2024 08:05
aktualisiert: 9. Januar 2024 16:56
Quelle: ArgoviaToday

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