Sexismus-Vorwurf

Werbekampagne für Aargauer Thermalbäder sorgt für Empörung

14.01.2024, 14:44 Uhr
· Online seit 08.01.2024, 21:03 Uhr
Mit einer Kampagne sollen mehr Männer in die Aargauer Thermalbäder gelockt werden. Weil dafür aber sexistische Klischees aufgegriffen werden, sorgt die Werbung auf Social Media für Empörung. Laut den Verantwortlichen sei die Kampagne aber mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Quelle: Tele M1

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Das Thermalbad Zurzach, das Bad Schinznach, die Therme Fortyseven in Baden und die Wellness-Welt Sole Uno in Rheinfelden haben zusammen eine Werbekampagne gestartet, mit der sie sich gezielt an Männer richten. Denn Männer sollen in den Wellnessbädern untervertreten sein.

Das Problem: Bei der Kampagne wird auf Geschlechterklischees zurückgegriffen. So heisst es dort «Wellness ist das Bier für die Seele». Bei einem anderen Spruch wird das Vorurteil aufgegriffen, wonach Frauen dauernd reden: «Beim Wellness wird nicht geredet», steht auf dem Plakat. Ebenso wird das Klischee bedient, dass Männer gerne Poker spielen. Es heisst zum Beispiel: «Geht mal All-In beim Kaltwasserbecken statt beim Poker».

Auf Social Media wird fleissig über die Kampagne diskutiert. Einige empfinden die Kampagne als sexistisch. Sascha Rijkeboer (31), tritt als non-binäre trans Person in der Öffentlichkeit auf, postet auf Facebook Fotos von der Kampagne und fragt: «Sexistischer Badespass gefällig?» Jemand schreibt unter dem Post: «Das letzte Jahrhundert hat angerufen und möchte seine Badespassklischees zurück.»

Die Kampagnenverantwortlichen bei Aargau Tourismus sehen es hingegen lockerer und erklären gegenüber dem «Blick», dass die Werbung «mit einem Augenzwingern» zu verstehen sei. Zudem wird betont, dass man mit der 35'000 Franken teuren Kampagne «den Aargau in der Schweiz und im grenznahen Ausland als Bäderkanton positionieren» wolle.

Gegenüber Tele M1 sagt Holger Czerwenka, Direktor Aargau Tourismus, zudem: «Ironie hat immer zwei Seiten. Man kann es so verstehen oder man versteht es anders. Aber uns ist absolut bewusst, dass man es so verstehen kann wie es jetzt verstanden wurde. Zu dem stehen wir. Aber es hat uns sicher auch zum Nachdenken angeregt.»

Aber ist denn geschlechterspezifische Werbung gar nicht mehr möglich? Doch! Die Kommunikationsspezialistin Larissa Laudadio sagt jedoch: «Ich glaube, es braucht sehr viel Kreativität und Feingefühl für den Zeitgeist, wenn man geschlechterspezifisch werben möchte.»

Die betroffenen Aargauer Wellnessthermen sagen auf Anfrage, dass keine Massnahmen eingeleitet würden – weil die Kampagne schon seit mehreren Wochen laufe und sie bislang nicht zu negativen Reaktionen geführt habe.

(red.)

veröffentlicht: 8. Januar 2024 21:03
aktualisiert: 14. Januar 2024 14:44
Quelle: ArgoviaToday

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