Tempo, Alk & Drogen

Zahlreiche Ausweisentzüge: Fehlt Junglenkenden das Verantwortungsbewusstsein?

12.01.2024, 06:01 Uhr
· Online seit 12.01.2024, 05:51 Uhr
«19-jähriger Junglenker schrottet Porsche» oder «Junglenker demoliert gemieteten McLaren» sind nur zwei der zahlreichen Schlagzeilen, die junge Autofahrer in letzter Zeit in kein gutes Licht rückten. Es stellt sich die Frage: Zu Recht? Und wenn ja: Liegt es an der Revision, dass die Zahl der Ausweisentzüge in dieser Altersgruppe so stark angestiegen ist? Der Fahrlehrerverband schätzt ein.
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Das Verantwortungsbewusstsein und die Fahrsicherheit von Junglenkenden ist im Aargau immer wieder Thema. Erst kürzlich forderte SP-Nationalrätin Gabriela Suter eine Extra-Fahrprüfung für Junglenker mit Sportautos.

Quelle: Tele M1

Zahlreiche Ausweisentzüge – woran liegt es?

Wie die Statistik zeigt, stieg die Zahl der Ausweisentzüge bei unter 19-Jährigen in den letzten Jahren deutlich an. Sie mussten den Führerausweis meist wegen überhöhter Geschwindigkeit, Alkohol oder Drogen am Steuer bereits nach kurzer Zeit wieder abgeben. Doch woran liegt das? Sind Junglenkende zu wenig verantwortungsbewusst?

Ja, sagt Roger Wintsch, Präsident des Aargauer Fahrlehrerverbandes. «Ich denke schon, dass die Sensibilisierung fehlt. Das hat – in meinen Augen – schon damit zu tun, dass der zweite Kurstag der Zwei-Phasen-Ausbildung im Rahmen der Revision weggefallen ist.» Durch den nicht mehr existierenden zweiten Kurstag fehle der Perspektivwechsel, der durch die sogenannten Feedbackfahrten ermöglicht wurde. «Es wirkt ganz anders auf einen jungen Mann, wenn eine Frau im gleichen Alter sagt, dass sie sich bei seiner Art zu fahren unwohl gefühlt hat.» Diese Rückmeldung auf Augenhöhe unter Gleichaltrigen fehle jetzt – und mit ihm auch eine wichtige Form der Sensibilisierung.

Weniger ausbilden – mehr umschulen

Mit der Revision haben sich aber auch andere Grundsätze geändert. So müssen junge Autofahrerinnen und -fahrer seit 2021 ein Jahr Fahrpraxis aufweisen können, um sich für die praktische Fahrprüfung anmelden zu dürfen. Dies sei im Grunde auch eine gute Idee gewesen, betont Wintsch. Mehr Fahrpraxis sei immer gut. Aber: «Leider funktioniert es nur in der Theorie. Die überwiegende Mehrheit der Jungen, die die Autoprüfung machen, wollen einfach das Billett. Die geforderte Fahrpraxis wird – meiner Erfahrung nach – eher als Schikane wahrgenommen und nicht als Chance, sich zu verbessern.»

Auch für die Fahrlehrerinnen und -lehrer sei es nicht einfach. «Das Problem, das wir haben, ist, dass wir weniger ausbilden und mehr umschulen. Dies, weil die Lernfahrer, die üben, vielfach halt schon nicht so üben, wie es dann an der Prüfung gezeigt werden muss. Eigentlich sollte man lernen mit dem Profi und vertiefen im privaten Umfeld. Fakt ist ganz klar: Wenn jeder so fahren würde, wie er es vom Profi gelernt hat, dann hätten wir vielleicht noch zwei Prozent aller Unfälle, die wir heute haben.» Für Wintsch ist die Revision ein klarer Rückschritt – er würde gerne zurück zum alten System, das gut funktioniert habe.

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Zu der laut Statistik tieferen Durchfallquote beim ersten Prüfungsversuch meint Wintsch: «Der Unterschied ist minim – in etwa zwei Prozent. Dort kommt es auch auf geburtenstarke und -schwache Jahrgänge an und auf die Anzahl der Prüfungsanmeldungen. Also für mich fällt diese Zahl im Vergleich zu den Ausweisentzugszahlen – wo wir ja von einer Zunahme von knapp 35 Prozent reden – zu wenig ins Gewicht, um da eine belastbare Aussage treffen zu können.»

Auch Radio Argovia hat über das Thema berichtet. Hier kannst du den Beitrag nachhören:

veröffentlicht: 12. Januar 2024 05:51
aktualisiert: 12. Januar 2024 06:01
Quelle: ArgoviaToday

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