Kleine Glücksbringer

Diese Häkel-Würmli knabbern deine Sorgen weg

· Online seit 26.10.2023, 21:10 Uhr
Sie hängen an Ästen oder an Grashalmen: die Sorgenwürmli. Mitglieder der Facebook-Gruppe «Sorgenwürmli Schweiz» häkeln und legen sie in der ganzen Schweiz aus. Warum der Trend gerade jetzt so gut ankommt und warum man die Würmli nicht kaufen kann.
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Kriege, eine Pandemie, steigende Krankenkassenprämien und Klimawandel. Wir leben in unruhigen und unsicheren Zeiten, Negativ-News fluten unseren Alltag und Sorgen und Ängste kommen auf.

«Gesundheit, Liebe und auch Glück»

Inmitten dieser Zeit können kleine Dinge für grosse Freude sorgen. Etwa kleine selbst gehäkelte Würmer, die man zurzeit an Ästen, im Gras entlang von Spazierwegen oder im Bus findet: die Glücks- und Sorgenwürmli. 

«Dein Glückswürmchen, das bin ich, mit vielen Wünschen nur für dich. Gesundheit, Liebe und auch Glück, von allem ein grosses Stück. Lieber Finder, ich ging nicht verloren, sondern absichtlich ausgelegt, um Freude zu bereiten. Nimm mich mit und freue dich, das ist der schönste Dank für mich.»

Diese Botschaft fand eine Facebook-Nutzerin – zusammen mit einem selbst gehäkelten Glückswürmli. «Die Freude ist riesig und das Würmli hat einen schönen Platz gefunden», schreibt die Frau in einem Post in der Facebook-Gruppe «Sorgenwürmli Schweiz». Absenderin des Glücksbringers? Eine häkelbegeisterte Person aus der Sorgenwürmli-Schweiz-Facebook-Gruppe.

Sorgenwürmer sollen Freude bereiten

5600 Mitglieder zählt die öffentliche Gruppe seit ihrer Gründung im Februar dieses Jahres. In der Gruppe wird fleissig gehäkelt und gepostet. «Die Gruppe wächst mega schnell», sagt Anna Burgherr im Gespräch mit der Today-Redaktion am Dienstag. Die 52-Jährige aus Winterthur im Kanton Zürich ist die Gründerin von «Sorgenwürmli Schweiz».

Doch warum häkeln mehrere Tausend Personen voller Begeisterung kleine Würmchen? «Der Gedanke dahinter ist, dass man jemandem eine Freude macht und ein Lächeln ins Gesicht zaubert», erzählt Burgherr. 

Die Gruppen-Mitglieder häkeln ein Würmli und legen es zusammen mit einer lieben Botschaft irgendwo aus. Wenn die Würmli länger an einem Ort liegen, werden sie in Plastiksäckli gesteckt. Die Menschen, die die Talismane finden, sollen «etwas zum Drücken» haben, erklärt Burgherr. Ältere Menschen, Kinder oder Personen, die im Spital seien, würden sich darüber freuen. Wer ein Würmli findet, hat Glück, denn kaufen kann man sie nicht. 

Worry Worms stammen aus Grossbritannien

Die Idee der Sorgenwürmli stammt nicht aus der Schweiz. Weltweit verstecken sich die Würmer hinter Hecken, an Bushaltestellen und an anderen öffentlichen Orten. Gestartet haben soll alles 2019 mit der Facebook-Gruppe «Random Acts of Crochet Kindness (Raock)», welche die Britin Olivia Dieterich gründete. Sie hatte den Plan, mit einer grossen Gruppe von Menschen «Crochet-Kindness» (Häkel-Freundlichkeit) in die Welt zu setzen. Mittlerweile zählt die Gruppe über 300'000 Mitglieder. Und auch in Deutschland tauschen Hobby-Handarbeiterinnen ihre Sorgen- und Glückstierchen auf Facebook aus. So kam auch Anna Burgherr dazu.

«Ich musste meine Zähne ziehen und durfte mich nicht gross bewegen. Ich lag oft auf dem Sofa und stiess dann beim Recherchieren irgendwann auf die deutsche Gruppe ‹Worry Worms›», beschreibt sie ihre Anfänge. Sie habe angefangen, selbst Würmli zu kreieren und die Anleitungen zu posten, bis sie irgendwann fand: «Wir müssen das auch in der Schweiz machen!»

Würmli reisen um die Welt

Und so gründete die Winterthurerin die Schweizer Facebook-Gruppe. Mit der Zeit kamen immer mehr Häklerinnen und Häkler dazu, die mittlerweile in der ganzen Schweiz Würmli verteilen. Sie selbst lege die Würmli oft im Zug aus, erzählt Burgherr. «Das Würmli reist dann irgendwo hin.» Eines sei sogar auf der Kanaren-Insel Lanzarote gefunden worden, so die Winterthurerin.

Sie bekommt denn auch viele Rückmeldungen von Würmli-Finderinnen und -Findern. «Da geht einem das Herz auf!», so die 52-Jährige. Manche Leute würden ihre persönlichen Geschichten erzählen. Da «gumped das Herz so richtig!»

Verschenken statt Verkaufen

Samichlaus-Würmli, Frosch-Würmli, Würmli mit Cowboy-Hütchen oder ein Glückswürmchen-Brautpaar – die Kreationen der Community sind zahlreich. Doch es gebe Regeln in der Gruppe. Hauptsächlich müssten Würmli gehäkelt und gepostet werden, erklärt Burgerr. «Es ist eine Sorgenwürmli-Gruppe, keine Handarbeits-Gruppe».

Burgherr steckt viel Leidenschaft in «Sorgenwürmli Schweiz»: «Die Gruppe liegt mir sehr fest am Herzen, ich mache es so gern!» Die Welt sei sowieso schon genug trist. «Es macht einfach glücklich, wenn man ein Würmli häkelt, es auslegt und es dann jemand findet und sich darüber freut.»

Sie hält fest: «Man kann die Würmli nicht kaufen, das Glück soll einem einfach irgendwo begegnen.»

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veröffentlicht: 26. Oktober 2023 21:10
aktualisiert: 26. Oktober 2023 21:10
Quelle: Today-Zentralredaktion

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