Social-Media-Trend

Grössere Brüste dank Pollen – Tiktok-Trend ist nicht nur für Bienen gefährlich

· Online seit 27.09.2023, 05:40 Uhr
Social Media lebt uns eine vermeintlich perfekte Figur vor. Dazu gehören auch die perfekten Brüste. Neuerdings wird in zahlreichen Posts behauptet, die Brüste würden wachsen, wenn man Blütenpollen isst. Doch was steckt wirklich dahinter?
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Vakuumpumpe, Hyaluronsäure oder Kochsalz – alles Hausmittel, die die Brust vergrössern sollen. Neu kursieren auf Tiktok Videos von Frauen, die ein ganz neues angebliches Wundermittel getestet haben: Brustvergrösserung ohne Operation. Sie essen jeden Tag Blütenpollen und berichten davon, eine grössere Oberweite bekommen zu haben.

Quelle: tiktok/camilaelle/lalaleluuistcool/tequilagreenjuice/barrettplasticsurgery/ahrairm/chlorandmomo/ArgoviaToday/Michelle Brunner

Erfolgsversprechen oder Placebo

Bewiesen, dass dieses Wundermittel tatsächlich die Brüste vergrössert, hat bis jetzt noch niemand. Laut Claudio Lorenzet, Ernährungsberater und Mediziner aus Bergdietikon, ist es aber möglich. «Man sagt den Blütenpollen nach, dass sie dieses Kollagen, das in den Brüsten ist, verstärken und die Durchblutung fördern.»

Ein gefährlicher Trend

Blütenpollen können zwar gesund sein, doch sind sie auch sehr gefährlich. Essen Pollenallergiker, wie auf Tiktok empfohlen, zwei Esslöffel des Wundermittels, kann dies zu starken allergischen Reaktionen führen, erzählt der Aargauer Imker Didi Suter. Und auch Ernährungsberater Lorenzet warnt vor den angeblichen Brustvergrösserern. «Sie können zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen», so Lorenzet, «und man darf nicht vergessen, dass diese Blütenpollen Wechselwirkungen mit Medikamenten haben.»

Pollenernte in der Schweiz

Grundsätzlich sind Blütenpollen ein Superfood. In kleinen Mengen kann man theoretisch so eine Pollenallergie wegtrainieren. Entfernt der Imker wenige Pollen und überlässt dem Bienenvolk den Rest, ist dies nicht problematisch, sagt Didi Suter von der Imkeriei «Im Holz» in Safenwil. «Ich sammle da nicht Monate lang, sammle auch nicht, wenn das Wetter nicht gut ist. Ich sehe, wenn sie nicht genügend Pollen haben und dann stelle ich die Pollenfallen aus», erklärt der Imker weiter. Die Pollen, die er im Shop verkauft, werden den Bienen nur dann weggenommen, wenn das Volk im Überschuss lebt. Dies sei bei den meisten Schweizer Imkern so.

Futter für die Babys

Die grossen Säcke, die allerdings auf Tiktok für diesen Trend präsentiert werden, stammen meist aus dem Ausland. Die Standards sind in anderen Ländern anders und es ist nicht gewährleistet, dass die Bienen am Ursprungsort dann noch immer genügend Pollen zum Überleben haben.

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Eigentlich sammeln die Bienen diese Pollen, um ihre Larven damit gross zu ziehen. «Dafür werden die Pollen mit Speichel vermischt», so Suter. Diesen Brei verfüttern sie dann den Bienenlarven, damit diese gross und stark werden. Sammeln also die Imker alle diese Pollen ein, verfallen die Bienen in einen Stressmodus, da sie kein Futter für den Nachwuchs haben. Infolgedessen müssen die Bienen wieder los und noch mehr Pollen sammeln, die ihnen dann wiederum weggenommen werden. «Die Pollen sind das Wichtigste für ein Bienenvolk», so Suter. Die ganze Aufmerksamkeit der Bienen liegt somit auf der Futterbeschaffung für die Larven.

@beesteez STATEMENT 🐝 POLLEN ! @BEESTEEZ Ich bin sehr gespannt wie ihr dazu steht 🙏🏼🐝 #pollen #bienenpollen #beesteez #honigbiene #statement ♬ Originalton - BEESTEEZ

Ein grosser Beutel mit Blütenpollen ist also sehr viel Arbeit für die Bienen. Und diese haben nichts davon. Ohne Pollen kein Nachwuchs und ohne Nachwuchs stirbt ein Bienenvolk aus.

Zusätzlich bergen die ausländischen Pollen auch eine Gefahr für die Konsumentinnen. Bienenpollen aus dem Ausland unterliegen nicht denselben Standards. «Womöglich sind diese nicht einmal auf Rückstände von giftigen Mitteln geprüft», so der Imker. Für die Bienen seien diese nicht schädlich, doch für den Menschen können diese Giftstoffe Folgen haben. Suter rät deshalb: «Blütenpollen können gesund sein, wenn man sicherstellt, dass keine Giftstoffe darin sind. Doch von den grossen Säcken aus dem Ausland sollte man sich den Bienen und sich selbst zuliebe fernhalten.»

veröffentlicht: 27. September 2023 05:40
aktualisiert: 27. September 2023 05:40
Quelle: ArgoviaToday

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