Streit unter Jägern

In Schwörstadt wurden Schwäne erschossen – nun stehen diese auf der Speisekarte

20.02.2023, 11:43 Uhr
· Online seit 14.01.2023, 09:10 Uhr
Das Drama um geschossene Schwäne am Rhein in Schwörstadt an der Aargauer Grenze zieht weite Kreise. Die ortsansässigen Jäger distanzieren sich von den Abschüssen. Nun stehen die Vögel allerdings auf der Speisekarte.
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An Weihnachten sollen Jäger am Rhein bei Schwörstadt an der Aargauer Grenze Schwäne erschossen haben. Die Polizei ermittelte wegen Wilderei-Verdachts. Dazu stehen auf der einen Seite Tierschützer, die über den Tod der Schwäne und mehreren Jungschwänen entsetzt sind. Auf der anderen Seite steht der Jäger, der sich zu den Abschüssen bekennt und die geschossenen Tiere nun auf seinem Landgasthof serviert. Dazwischen stehen Jagdpächter, die sich zu Unrecht an den Pranger gestellt sehen. Dies führt zu einem recht emotionalen Streit, der sich bereits über mehrere Tage zieht.

Dabei stellt sich die Frage, ob der Abschuss und die daraus resultierenden Vorgänge rechtens waren und ob die Polizei die Ermittlungen wegen Wilderei wieder aufnehmen sollte. Zwischenzeitlich waren diese eingestellt worden.

Rechtslage eigentlich eindeutig

Vor Silvester hatte sich Hannelore Nuss vom Tierschutzverein Rheinfelden an die «Badische Zeitung» gewandt. Am Rhein bei Schwörstadt seien zwei Schwäne geschossen worden. Wenige Tage später folgten weitere, an Dreikönig dann noch einmal. Allerdings ist die Rechtslage recht eindeutig. Schwäne sind jagdbares Wild, zumindest ausserhalb der Schonzeit. Und aktuell befinden wir uns ausserhalb der Schonzeit Es sei ganz normal, auf Schwäne zu schiessen, der Bestand müsse reguliert werden, wie es weiter heisst.

Die Tierschützer sind da jedoch anderer Meinung. Der oder die Schützen seien Auswärtige. Das heisst, sie waren als Jagdgäste des Schwörstädter Jagdpächters unterwegs. Dieser hätte eigentlich dabei sein müssen, was er aber aus gesundheitlichen Gründen nicht konnte. Darüber hinaus werden weitere Jagdpächter seit dem Vorfall von Tierschützern mit Anrufen und Nachrichten bombardiert und angegriffen.

Jäger distanzieren sich von den Vorfällen

Einer von ihnen fühle «sich zu Unrecht an den Pranger gestellt», schreibt die Badische Zeitung. Weder er noch weitere gleichgesinnte Jäger würden jemals auf Schwäne schiessen und vor allem nicht an einem derart öffentlichen Ort und an den Feiertagen. Die Jäger distanzieren sich in aller Deutlichkeit vom Treiben des oder der Schützen – und auch davon, eine Einladung zur Schwanenjagd für einen Jagdgast auszusprechen.

Dabei vertreten sie folgenden Standpunkt: Das betreffende Revier wird nicht von einem Pächter, sondern von einer sechsköpfigen Pächtergemeinschaft betreut. Und zum Abschuss der Schwäne müsse die Gemeinschaft eine Genehmigung erteilen. Es reiche nicht, wenn ein Einzelner dies tut. Jedoch sei das Schreiben – welches auch der Polizei vorliege – nur mit einer Unterschrift versehen. Der Unterzeichnende sei zudem gesundheitlich nicht mehr in der Lage, seinen Aufgaben nachzukommen und habe daher auch keine Möglichkeit gehabt, den oder die Schützen zu begleiten – was eigentlich zu seinen Aufgaben gehöre. Der betroffene Jagdpächter möchte sich auf Anfrage der Zeitung nicht zu dem Vorfall äussern.

Gepökelte «Flugwildbrust» steht auf der Speisekarte

Der inzwischen namentlich bekannte Schwanen-Schütze aus dem Hotzenwald steht dazu, über die Feiertage die Schwäne geschossen zu haben. Jäger Paul Späne übt seit 17 Jahren für den betreffenden Jagdpächter die Jagdaufsicht in dessen Revier aus. Späne ist zudem der Meinung, dass einige Schwörstädter Jäger neidisch seien. Was er tat oder tue, sei juristisch einwandfrei. So lange der Pächter, der ihn eingeladen habe, die Pacht ausübe, sei er auf der sicheren Seite.

Ausserdem schiesse er nicht zum Spass. Im familieneigenen Landgasthof «Kranz» in Segeten im Hotzenwald gibt es zurzeit gepökelte «Flugwildbrust». Insgesamt habe Späne über die Feiertage 16 Schwäne geschossen. Die Jagd in Schwörstadt will er nun einstellen, damit sich der Bestand erholen könne.

«Rein rechtlich ist das sauber», erklärt die zuständige Jagdaufsichtsbehörde auf die Frage, was eigentlich angesagt sei, wenn der zuständige Pächter seiner Funktion aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen kann. In der aktuellen Debatte sei noch niemand auf die Behörde zugekommen. Sicher ist, dass dieser Umstand dem Ansehen der Jägerschaft nicht zuträglich sei. Vor allem, weil Schwäne bei den Menschen eine emotional stark behaftete Art sei, so Dezernent Michael Kauffmann.

veröffentlicht: 14. Januar 2023 09:10
aktualisiert: 20. Februar 2023 11:43
Quelle: ArgoviaToday

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