Schweiz

«Mini-Macho-Aufstand» – Cédric Wermuth macht Bürgerliche sauer

SP-Bundesratssitz

«Mini-Macho-Aufstand» – Cédric Wermuth macht Bürgerliche sauer

· Online seit 07.12.2022, 17:27 Uhr
Der Co-Chef der SP, Cédric Wermuth, wirft SVP, FDP und Mitte bei den Bundesratswahlen einen kleinen «Macho-Aufstand» vor. Bürgerliche Politiker streiten dies ab. Daniel Jositsch habe auch dank weiblichen Stimmen punkten können.
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Der ticketlose Daniel Jositsch war an den Bundesratswahlen für den SP-Sitz das Zünglein an der Waage. Im ersten Wahlgang erhielt der Zürcher Ständerat 58 Stimmen, im zweiten dann noch 28. Diese Stimmen teilten sich zwischen den Ständerätinnen Elisabeth Baume-Schneider und Eva Herzog auf. Erst im dritten Wahlgang erreichte Baume-Schneider punktgenau das absolute Mehr von 123 Stimmen und wurde damit zur neuen SP-Bundesrätin gewählt.

Cédric Wermuth, Co-Präsident der SP, reagiert auf den Wahlkrimi mit einer Mischung aus Ärger und Schadenfreude. «Der Mini-Macho-Aufstand von SVP, FDP und Mitte bei den Bundesratswahlen war von kurzer Dauer», twitterte er am Mittwochmittag nach den Wahlen. «Offenbar hat es dort noch zu viele Männer, für die eine Frau in einer Machtposition immer noch eine Provokation ist.» Seinen Tweet schloss er mit den Worten: «Vor allem, wenn sie kompetent und links ist. Erbärmlich.»

Etliche Parlamentarierinnen hätten für Jositsch gestimmt

Bürgerliche Kreise weisen den Vorwurf zurück, einen «Mini-Macho-Aufstand» gegen die beiden SP-Kandidatinnen gemacht zu haben. EVP-Nationalrat Nik Gugger beurteilt den Tweet von Cédric Wermuth «eher» als «Überreaktion». «Mit Elisabeth Baume-Schneider ist ja eine ehemalige Marxistin gewählt worden.»

Für ihn ist klar, dass etliche Parlamentarierinnen für Daniel Jositsch gestimmt haben. «Die über 50 Stimmen für Jositsch sind eher eine nonverbale Antwort darauf, dass die SP den Bundesratswahlkampf falsch aufgleiste.» Mit einem Aufstand gegen eine weibliche Bundesrätin habe das alles nichts zu tun.

«Das ist unterste Schublade»

Auch SVP-Nationalrat Martin Haab stösst der Tweet sauer auf. Sie als Parlamentarierinnen und Parlamentarier hätten ihre Wahlfreiheit genutzt, sagt er. «Dass Herr Wermuth dies als erbärmlich betitelt, ist unterste Schublade.» Die 58 Stimmen für Jositsch bedeuteten noch lange nicht, dass diese auch von 58 Männern gekommen seien. «Es könnten auch Frauen gewesen sein.»

Haab hält das reine Frauenticket der SP für «äusserst anmassend gegenüber Daniel Jositsch, den Männern und dem ganzen System». Er führt ins Feld: «Vielleicht hat auch jemand aus den eigenen Reihen eine Proteststimme abgesetzt und Jositsch die Stimme gegeben.»

Cédric Wermuth war am Mittwoch für eine Stellungnahme zu seinem Tweet nicht erreichbar.

veröffentlicht: 7. Dezember 2022 17:27
aktualisiert: 7. Dezember 2022 17:27
Quelle: Today-Zentralredaktion

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