Notkraftwerk Birr

«Standort nochmals überdenken» – Kanton will Bevölkerung vor Lärm schützen

1. Oktober 2022, 07:39 Uhr
Der Aargauer Regierungsrat fordert Nachbesserungen am Reservekraftwerk Birr, das bis Februar 2023 einsatzbereit sein soll. Insbesondere beim Lärmschutz müsse der Bund und die GE, welche das Kraftwerk baut, nachbessern.
Auf dem Geländer der GE in Birr stehen die ersten Fahrzeuge für den Bau des Reservekraftwerks bereit.
© Aargauer Zeitung/Fabian Hägler
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Wie Regierungsrat Stephan Attiger am Donnerstag in Aarau an einer Medienkonferenz bekanntgab, hat die Aargauer Regierung bei diesem Unternehmen und beim Bund schriftlich interveniert. Energiedirektor Stephan Attiger sagte gegenüber der «Aargauer Zeitung», dass die Forderung deponiert sei, den Standort nochmals zu überdenken. «Der Parkplatz, wo das Kraftwerk geplant ist und die Rodungsarbeiten schon begonnen haben, liegt direkt gegenüber einem Wohnquartier und nahe bei der Schule», so Attiger.

Bedenken in der Bevölkerung

Zum geplanten Reservekraftwerk habe die Aargauer Regierung diverse Rückmeldungen aus der Bevölkerung bekommen, sagte Attiger weiter. Eine Antwort auf die Intervention stehe aus. Wenn es nicht möglich sei, die acht Gasturbinen anders auf dem Gelände zu platzieren, solle aufgezeigt werden wieso, fordert die Kantonsregierung laut einer Mitteilung.

Der Betrieb des Kraftwerks ist aus Sicht der Aargauer Regierung auf ein Minimum zu beschränken. «Andere, stufengerechte Energiespar-Massnahmen sind vordringlich auszuschöpfen», schreibt sie. Die Anlage müsse so gebaut und betrieben werden, dass die Luft möglichst wenig belastet werde und so wenig Lärm entstehe wie möglich. Also Lösungsvorschlag kann sich Attiger Schalldämpfer auf den Turbinen oder Lärmschutzwände sowie Lärmschutzfenster bei den angrenzenden Wohnungen vorstellen.

Wie laut wird es wirklich?

Wie die «Aargauer Zeitung» schreibt, sei gerüchteweise zu hören, dass die Lärmbelastung beim Betrieb des Kraftwerks bei 74 Dezibel liege. Also etwa so laut, wie wenn ein Zug vorbeifährt. Gegenüber der Zeitung meint das Bundesamt für Energie, dass insbesondere beim Lärmschutz Verstärkungen geplant seien. Im Januar würden die Lärmschutzwerte dann mit den geplanten Schutzmassnahmen geprüft. Zudem versichert das Bundesamt, dass das Kraftwerk nur dann laufen werde, wenn auch wirklich gebraucht wird.

Die Aargauer Regierung steht aber trotz Lärmbedenken weiterhin hinter dem Projekt. Das Reservekraftwerk ist als schweizweite Absicherung für den Fall einer Strommangellage konzipiert. Der Bundesrat ermöglichte den raschen Start der Bauarbeiten vergangene Woche mit zwei Verordnungen.

(ova)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 1. Oktober 2022 07:43
aktualisiert: 1. Oktober 2022 07:43