Schon wieder

Gratis parkiert oder doch ein «Geisterauto»? Volvo rostet in Eiken vor sich hin

3. August 2022, 13:35 Uhr
Während in Kölliken ein Opel vor sich hin rostet, verwahrlost in Eiken auf dem Park+Pool Parkplatz ein roter Volvo. Doch gemeldet wurde dieser weder der Gemeinde, noch dem Kanton. Weshalb wurde das Auto dann mit einem Polizeiband markiert?

Quelle: ArgoviaToday/Leonie Projer

Das britische «Geisterauto» in Kölliken führte nicht nur auf Facebook zu viel Gesprächsstoff, sondern auch in der ArgoviaToday-Community. Der Opel steht seit rund einem Jahr auf dem Parkplatz der Autobahn-Raststätte Kölliken Nord, wie ein Nutzer schreibt. Im Gepäck hat der Wagen allerlei «Grümpel», so beispielsweise gebrauchte Windeln und McDonald's-Getränkehalter. Aufgrund des Berichts wurden der Redaktion über die sozialen Medien noch weitere verwaiste Autos gemeldet. Eines davon steht in Eiken, wie auch Recherchen vor Ort zeigen.

Handelt es sich tatsächlich um ein «Geisterauto»?

Sichtlich verwahrlost und bepackt mit Taschentüchern, Badesachen und Kleidern steht der Volvo 850 in Eiken an der Autobahn A1. Aufnahmen vor Ort zeigen, dass sich an dem Fahrzeug ein Polizeiband befindet. «Mit einem Zettel oder einem Band wird signalisiert, dass die Polizei die Fahrzeugdaten bereits aufgenommen hat. So können wir verhindern, dass der Prozess mehrmals durchlaufen wird oder es erneut von jemandem gemeldet wird», so Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Ob das Band tatsächlich von der Polizei angebracht wurde, kann Graser aber nicht bestätigen. Aber: «Es ist möglich, dass wie in Kölliken eine Patrouille von uns oder der Regionalpolizei den fraglichen Wagen längst überprüft hat.» Weiter erzählt Graser: «Es bleibt dann, mit der örtlich zuständigen Gemeinde die Entsorgung zu regeln.»

Auto bleibt weiter auf Parkplatz stehen 

Bei der Gemeinde hat man davon keine Kenntnis. Die Entsorgung des Fahrzeugs gehöre ausserdem nicht in ihren Aufgabenbereich. Der Parkplatz und somit auch der Volvo befindet sich nämlich auf Kantonsgebiet. Das bestätigt auch Giovanni Leardini, Mediensprecher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Doch auch hier ist die Rückmeldung klar: «Wir haben keine Kenntnis von einem verlassenen Fahrzeug auf dem P+P in Eiken. Da wir die Parkplätze aber nicht aktiv kontrollieren, würde ein solches nicht sofort auffallen», so Leardini. Die Frage bleibt also weiter bestehen, ob es sich tatsächlich um ein «Geisterauto» handelt.

Die Spurensuche führt weiter zur Regionalpolizei Oberes Fricktal. Auf Anfrage bestätigt Daniel Meier, stellvertretender Polizeichef Oberes Fricktal: «Es ist richtig, dass sich ein Volvo 850 auf dem genannten Parkplatz befindet.» Dieser wurde laut Meier im Mai anlässlich einer Kontrollfahrt festgestellt. Von dem Besitzer des Fahrzeuges fehlt jedoch jede Spur. «Bis dato wurden diesbezüglich diverse Abklärungen getätigt, deren Ergebnis bis heute ausstehend sind», so der stellvertretende Polizeichef. So bleibt der rote Volvo auf dem P+P Parkplatz also bis auf Weiteres stehen.

«Ermittlungen verlaufen im Sand»

Einen Besitzer ausfindig zu machen, ist laut Graser keine leichte Aufgabe. Meist handelt es sich bei den Fahrzeugen nicht um in der Schweiz registrierte, sondern um ausländische Autos, wie auch im Fall Kölliken. «Erfahrungsgemäss verlaufen die Ermittlungen dann im Sand.» Es bleibt die Entsorgung. Ebenfalls unklar sind die Gründe, weshalb solche Autos zurückgelassen werden. Die Kapo Aargau kann nur mutmassen, so Graser. «Meist lassen die Umstände darauf schliessen, dass sie Leuten gehörten, die wenig Geld haben.» So sei es gut möglich, dass es ihnen günstiger kam, das Auto einfach stehenzulassen, als dieses reparieren zu lassen.

Falls der Besitzer oder die Besitzerin des roten Volvo 850 nicht ausfindig gemacht werden kann, obliegt die Entsorgung am Ende dem Kanton.

(mbr)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 7. August 2022 07:10
aktualisiert: 7. August 2022 07:10
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