Schweiz

Schweizer Jugendliche und Kinder schwänzen immer häufiger die Schule

Absenzen

Angst und Mobbing – immer mehr Schweizer Kinder schwänzen die Schule

· Online seit 05.05.2024, 11:50 Uhr
Trotz Massnahmen bleiben viele Schülerinnen und Schüler teils tageweise, teils aber auch längerfristig der Schule fern. Gründe dafür gibt es mehrere, auch die Coronapandemie spielt eine Rolle. Schulen zeigen sich zunehmend besorgt.
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In zahlreichen Kantonen nehmen die Bildungsdirektionen eine Zunahme von Schulschwänzern wahr. Insgesamt 14 von 17 der von der «NZZ am Sonntag» angefragten Behörden geben an, dass die Zahl abwesender Schülerinnen und Schüler gefühlt zugenommen habe. Genaue Zahlen gibt es nicht, die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Dennoch lassen auch Studien und Umfragen, etwa die Pisa-Studie oder die Gesundheitsbefragung der Stadt Zürich, vermuten, dass Schwänzen immer verbreiteter wird.

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Und das trotz Massnahmen, die bereits getroffen wurden. So sind vielerorts Sensibilisierungskampagnen, Weiterbildungen und Merkblätter geplant. «Absentismus ist ein Thema, das die Schulen stark umtreibt. Es löst viele Emotionen aus und stellt uns alle vor eine grosse Herausforderung», bestätigt Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, gegenüber der Zeitung.

Social Media macht alles noch schlimmer

Elsbeth Freitag, Vizedirektorin des Schulpsychologischen Dienstes des Kantons St.Gallen, kennt sich mit dem Thema bestens aus. Sie leitet dazu eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe und erklärt, weshalb viele Schülerinnen und Schüler schwänzen. Oft seien Ängste und Mobbing im Spiel, welche wegen Social Media nicht nur während der Unterrichtszeit, sondern nun auch in der Freizeit stattfinden. «Heute hört es nicht mehr auf, dass man geplagt wird», sagt sie zur «NZZ am Sonntag». Ausserdem habe die Coronapandemie das Verständnis der Menschen verändert. In dieser Zeit hätten die Schülerinnen und Schüler gemerkt, dass ein Schulbesuch nicht unabdingbar sei. «Die Schulpflicht ist nicht mehr so selbstverständlich – auch aus Sicht von systemkritischen Eltern.»

Oft mit psychischer Störung verbunden

Kinder und Jugendliche versuchten mit dem Schwänzen aber auch Probleme zu lösen. Das kann ein einzelner Tag sein, jedoch auch häufiger oder länger. Im Ambulatorium für Schul- und Ausbildungsprobleme der Universitären Psychiatrischen Dienste Bern, wo Kinder mit Problemen im Schulalltag behandelt werden, sind die Kapazitätsgrenzen mittlerweile erreicht. Leiterin Jana Bryjová hat eine weitere mögliche Erklärung: «Neun von zehn der von Absentismus betroffenen Schüler leiden auch unter einer psychischen Störung.» Meistens seien es jedoch verschiedene Faktoren, die Einfluss hätten. So spiele auch die familiäre Situation eine grosse Rolle.

Wie die Eltern mit dem Problem umgehen, spiele ebenfalls eine Rolle, erklärt Daniel Finger, Schulleiter des Oberstufenzentrums Mühlematt in Belp. «Die Gesellschaft wird generell weicher, das Durchhaltevermögen hat abgenommen. Die Eltern haben nicht mehr die konsequente Erwartungshaltung, setzen sich weniger durch.» Dabei sei es wichtig, dass bei Schulabsenzen rasch reagiert werde. Deshalb beziehen die Schulen, die nun neue Massnahmen planen, auch die Eltern mit ein.

veröffentlicht: 5. Mai 2024 11:50
aktualisiert: 5. Mai 2024 11:50
Quelle: ArgoviaToday

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