Energiepreise explodieren

Deshalb will die SP Heizen über 20 Grad verbieten lassen

Lothar Lechner Bazzanella, 2. Juni 2022, 14:36 Uhr
Die steigenden Gas- und Ölpreise sorgen für bange Blicke. Eine Explosion der Zusatzkosen droht. Was macht die Politik dagegen? Die SP fordert gar, im Winter das Heizen auf über 20 Grad zu verbieten.

Die Energiepreise steigen und steigen. Grund hierfür ist nicht nur der Krieg in der Ukraine, sondern auch politische Unsicherheiten bei wichtigen Zulieferern wie Libyen. Gas und Öl werden immer knapper. Und damit teurer. Das bringt auch Wohnungsbesitzerinnen und Mieter in arge Bedrängnis. Vor allem mit Blick auf den kommenden Herbst und Winter rechnen Experten mit einem drastischen Anstieg der Nebenkosten. 

Nebenkosten steigen um bis zu 38 Prozent

So schreibt die Immobilienabteilung der Credit Suisse in einer veröffentlichten Studie, dass vor allem Wohnungshaushalte, die mit fossilen Energieträgern beheizt werden, im laufenden Jahr einen Anstieg der Nebenkosten von bis zu 38 Prozent hinnehmen könnten. In der Schweiz beträgt der Anteil dieser Haushalte rund 60 Prozent.

Die reine Versorgung dürfte im Winter sogar unsicher werden, Engpässe seien nicht ausgeschlossen. Zu dieser Einschätzung kommt die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom), die Regulierungsbehörde des Bundes.

Weniger Atomstrom aus Frankreich

Dazu käme die Situation in Frankreich, wo aufgrund technischer Probleme bei Kernkraftwerken aktuell deutlich weniger Strom produziert werde, wenn Elcom-Präsident Werner Luginbühl mitteilte. Luginbühl geht davon aus, dass die Schweiz in kommendem Winter kaum Strom aus Frankreich, dafür vermehrt aus Italien und zum Teil auch aus Deutschland und Österreich importieren wird.

Politiker von rechts bis links suchen derzeit deshalb händeringend nach Lösungen, um die Situation in den Griff zu bekommen und den drohenden Preisschock im Winter wenigstens abzufedern. Die SP fordert vom Bundesrat gar, Räume im Winter nur noch bis 20 Grad aufzuheizen.

In einem Positionspapier der Partei heisst es weiter, man müsse generell weniger heizen, veraltete und ineffiziente Elektrogeräte austauschen lassen und in der Industrie mehr und mehr von Gas auf Heizöl umstellen. Dass dies tatsächlich realistisch ist, bleibt fraglich. In der CS-Studie heisst es wenig optimistisch: «Für Mieterinnen und Mieter gibt es kein Entrinnen vor höheren Nebenkosten.»

Solarpflicht für Neubauten?

Mittelfristig fordert die SP ausserdem künftig unter anderem eine Solarpflicht für grosse Dächer und Neubauten, Stausee-Erhöhungsprojekte und die Einführung eines Campus für die Energiewende, «um jährlich 4000 Fachleute auszubilden».

Wer langfristig beim Heizen sparen möchte, dem empfiehlt die Credit Suisse einen Umstieg auf Alternativen wie etwa Wärmepumpenheizungen. Hier betrage der Anstieg bei den Energiekosten in diesem Jahr nur rund drei Prozent. Damit würden die Pumpen deutlich besser abschneiden als fossile Energieträger, wie es in der Studie abschliessend heisst.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 2. Juni 2022 11:57
aktualisiert: 2. Juni 2022 14:36
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