Neue Studie

Wer Fleisch isst, kostet die Allgemeinheit dreimal so viel wie ein Veganer

Lothar Josef Lechner Bazzanella, 6. Dezember 2022, 09:28 Uhr
Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat berechnet, welcher Ernährungsstil die Gesellschaft wie viel kostet. Das Ergebnis lässt aufhorchen: Für Fleischesser müssen die Schweizerinnen und Schweizer deutlich mehr zahlen als für Vegetarier oder Veganer.
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Die Denkfabrik «Vision Landwirtschaft» hat kürzlich die Studie «Wie die Politik Ernährungsstile unterschiedlich fördert» veröffentlicht. Dabei untersuchte man, wie verschiedene Arten des Konsums finanziell unterstützt und damit gefördert oder eben belastet und damit entmutigt werden. Das Ergebnis: Die Fleischproduktion und die Herstellung von Kuhmilchprodukten kosten den Steuerzahler deutlich mehr als nicht tierische Produkte.

Auch Umweltbelastung und Treibhausemissionen berechnet

Unter Kosten verstanden die Autorinnen und Autoren der Studie zum einen die finanziellen Beiträge und Subventionen, welche in die verschiedenen Branchen fliessen. Hier erhalten weiterhin vor allem die Sektoren «Proteinbetont» und «Fleischbetont» die höchsten Beiträge. Zum anderen fallen in die Kosten dann die sogenannten «externen Faktoren», sprich Umweltbelastung, Pestizide oder Treibhausemissionen von Nutztieren, welche auf kurz oder lang auch vom Steuerzahler bezahlt werden müssten.

Konkret koste eine fleischbetonte Ernährung 1651 Franken pro Person pro Jahr. Dies sei etwa doppelt so viel, wie für eine vegetarische Ernährung anfalle. Und knapp dreimal so viel wie die Allgemeinheit für eine vegane Ernährung aufbringen müsse.

Die Autoren der Studie kritisieren hier primär, dass die unterschiedlichen Konsumstile vom Staat in finanzieller Hinsicht ungleich behandelt würden und damit auch ungleich anerkannt. Im Interview mit dem SRF sagt Studienleiter Felix Schläpfer, dass in punkte Subventionen nicht zwingend eine Gleichbehandlung von Getreide- und Gemüseproduzenten gegenüber Fleisch- und Milchproduzenten anzustreben sei. Nichtdestotrotz müsse man die derzeitige Verteilung der Subventionen überdenken. «Subventionen für Nahrungsmittelproduktionen, insbesondere für die, die nicht mit den Klima- und Umweltzielen vereinbar sind, sollte man kürzen».

Irreführender Lobbyismus?

Dabei kritisiert die Studie auch direkt Christian Hofer, Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft und seine Aussage in einem Interview mit dem Tagesanzeiger. In diesem hatte Hofer gesagt, dass die Veränderung der Landwirtschaft über die Nachfrage komme. «Der Konsum muss sich in erster Linie ändern. (…) Wenn wir die Tierproduktion in der Schweiz herunterfahren, importieren wir einfach mehr und exportieren die Emissionen.»

Diese Erzählung kenne man auch von den Lobbyisten der Agrarindustrie, kritisieren die Autorinnen und Autoren der Studie. Sie sei im hohen Masse irreführend. «Die Zahlen zeigen: Die Massnahmen des Bundes behindern die Entwicklung hin zu nachhaltigeren Ernährungsstilen. Trotz allen schönen Worten: der Bund sorgt weiterhin dafür, dass diejenigen, die sich um eine nachhaltige Ernährung bemühen, finanziell benachteiligt werden», heisst es auf der Website von «Vision Landwirtschaft».

Bauernverbandspräsident anerkennt die Studie nicht

Nicht einverstanden mit den Ergebnissen der Studie zeigt sich Bauernverbandspräsident und Mitte-Nationalrat Markus Ritter. «Die Ergebnisse dieser Studie decken sich nicht mit unseren Zahlen», so Ritter bei SRF. Anders hingegen reagiert Grünen-Nationalrat Kilian Baumann. «Das ist eine sehr wichtige Studie, sie zeigt einmal mehr auf, welche eklatanten Fehlanreize wir eben im Bereich der Agrar- und Ernährungspolitik haben.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 6. Dezember 2022 09:28
aktualisiert: 6. Dezember 2022 09:28