Vom König ernannt

So kommt der neue britische Premierminister Sunak beim Volk an

Maarit Hapuoja, 25. Oktober 2022, 13:44 Uhr
Rishi Sunak ist neuer Premierminister des Vereinigten Königreichs. Sieben Wochen nach dem Amtsantritt seiner Vorgängerin Liz Truss wurde der 42-Jährige von König Charles III. im Buckingham-Palast mit der Regierungsbildung beauftragt. Doch die Regierungszeit von Sunak wird kein Honigschlecken.
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Sunak ist der dritte Premierminister innerhalb von zwei Monaten, der jüngste Regierungschef seit mehr als 200 Jahren sowie der erste Hindu und der erste indischstämmige Politiker im Amt. Ein offizielles Foto zeigt, wie König Charles III. dem neuen Regierungschef die Hand reicht.

Zuvor hatte Charles in einer Audienz Truss formell aus dem Amt entlassen. Nur der Monarch hat das Recht, den Premier zu ernennen. Nach der Audienz bei Charles wollte der frühere Finanzminister sich von der Downing Street aus an die Nation wenden. Ausser ihm hatte kein anderer Abgeordneter die geforderte Anzahl von mindestens 100 Unterstützern in der Tory-Fraktion erreicht.

Wo der Schuh am meisten drückt

Sunak gilt als «ruhige Hand». Er hatte sich bereits im Sommer um die Nachfolge von Premier Boris Johnson beworben, aber gegen Truss verloren. Ihre Wirtschaftspläne hatte er damals scharf kritisiert - und behielt Recht.

Auf den verheirateten Vater zweier Töchter warten erhebliche Probleme. Er muss das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen. Denn Sunaks Vorgängering Liz Truss hat mit den Plänen für Steuersenkungen den Finanzmarkt verunsichert. In der Folge sind die Zinsen rasant gestiegen. Weil Grossbritannien einen Teil der Geschäfte aber auf Pump finanziert, wird das jetzt wegen der gesteigenen Zinsen sehr teuer. Genau da will Rishi Sunak nun ansetzen. Er will die Einnahmen und Ausgaben wieder ins Lot bringen. Das wird aber eine Herkulesaufgabe sein, denn in der britischen Staatskasse klafft ein umgerechnet fast 80 Milliarden Franken grosses Loch.

Sunak ist reicher als König Charles III.

Als Finanzminister hat Sunak die Covid-Massnahmen für die Ärmsten noch im Herbst 2020 streichen wollen und hat deutlich weniger Geld in den Topf der Entwicklungshilfe gesteckt. Aktuell kann man nicht sagen ob Sunak versuchen wird, auf den Buckel der Armen die Finanzen wieder ins Lot zu bringen. Es ist aber eine Tatsache, dass Sunak sehr reich ist. Sein Vermögen wird laut «The Guardian» auf etwa 830 Millionen Franken geschätzt. Somit ist er reicher als König Charles III. Ihm wird deshalb vorgeworfen, dass er das Bedürfnis der Ärmeren nicht nachvollziehen kann.

Schwierig dürfte es zudem werden, Sunaks zuletzt tief zerstrittene Konservative Partei wieder zu einen. Der Trubel innerhalb seiner Partei hat im ganzen Land für Misstrauen gesorgt. Die Opposition, die Labour Partei, forderte vorgezogenen Parlamentswahlen. Das muss Sunak aber verhindern. Denn laut Umfragen würden die Tories zu Gunsten der Labour Partei massiv verlieren. Mit Spannung wird jetzt erwartet, wen Sunak in sein Kabinett beruft. Tauscht er zu viele Minister aus, könnte er sich neue Feinde machen.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 25. Oktober 2022 13:40
aktualisiert: 25. Oktober 2022 13:44