Schweiz

Mozzarella, Brie und Parmesan: Immer mehr Schweizer kaufen Käse aus dem Ausland

Importe nehmen zu

Immer häufiger landet ausländischer Billigkäse in Schweizer Tiefkühl-Lasagne

20.03.2024, 22:04 Uhr
· Online seit 10.03.2024, 10:29 Uhr
2023 hat die Schweiz erstmals mehr Käse importiert als exportiert. Wie die Sonntagszeitung schreibt, wird vor allem billiger No-Name-Billigkäse eingeführt. Und diese Entwicklung dürfte sich bestätigen, wenn die Milchpreise hierzulande weiter steigen.
Anzeige

Die Schweiz gilt gemeinhin als Käse-Exportland. Das hat sich jetzt aber geändert. Zum ersten Mal wurde 2023 mehr Käse ein- als ausgeführt, wie die «Sonntagszeitung» berichtet. Dazu gehört, dass Käse zu den Gütern zählt, die ohne besondere Auflagen in die EU oder von dort in die Schweiz eingeführt werden kann. Seit 2007 ist der Warenverkehr zwischen der Schweiz und der EU frei von Einschränkungen und zollfrei. Seitdem haben die Importmengen Jahr für Jahr zugenommen.

Schweiz ist Mozzarella-Land 

Zu den beliebtesten Waren gehören teure Spezialitäten wie Gorgonzola, Parmigiano Reggiano und französischer Weichkäse wie Brie, Camembert oder auch Roquefort. Aber auch die Einfuhr von billigem No-Name-Käse hat in den letzten Jahren zugenommen. Rund die Hälfte des im Jahr 2023 importierten Käses sei preisgünstige, anonyme Massenware für die verarbeitende Industrie und die Gastronomie, sagt Martin Spahr, Marketingchef der Branchenorganisation Switzerland Cheese Marketing gegenüber der «Sonntagszeitung».

Aber auch Mozzarella, Frischkäse oder Cheddar werden importiert. Und das, obwohl «die Schweiz ein Mozzarella-Produktionsland ist», erklärt Spahr. Dazu wird der kugelförmige Filata-Käse in der Schweiz mit Abstand am liebsten gegessen.

Aber die Schweizer Bevölkerung würde sich eher für den italienischen Mozzarella entscheiden. Emmi produziert einen Käse, der unter anderem im Coop verkauft wird und die Migros führt die Eigenmarke «Mozzarella Alfredo.»

Gastronomie setzt vermehrt auf Billigkäse 

Mozzarella gehört zu den häufigsten Käsesorten, die in der Schweiz hergestellt werden, nur Gruyère wird mehr produziert, wie die Milchstatistik zeigt. Dahinter liegen Raclettekäse und Emmentaler. Aber warum die Schweizer Kundschaft bei Mozzarella oder Frischkäse vermehrt auf ausländische Produkte setze, erklärt sich Spahr folgendermassen: Diese werden in den Läden prominent platziert und haben eine weitaus grössere Werbepräsenz.

Zudem trägt auch die Gastronomie dazu bei, dass immer mehr Käse aus dem Ausland in die Schweiz eingeführt wird. Der billige Industriekäse wird in der Nahrungsmittelindustrie und in der Gastronomie verwendet und häufig stammt dieser aus Deutschland. In der Schweiz werden damit etwa Tiefkühlpizzen oder Fertig-Lasagnen hergestellt, wie die Zeitung weiter berichtet. Auch in Restaurants und Kantinen kommt vermehrt ausländischer Käse auf den Tisch. So landet dieser beispielsweise in Risotto, Wähen oder auf dem Hamburger. Denn aufgrund des gestiegenen Kostendrucks achten Restaurants im Wareneinkauf immer mehr auf den Preis und entscheiden sich für den billigeren Käse aus dem Ausland. Dazu müssen Wirte und Gastronominnen die Herkunft des Käses in den Gerichten nicht aufzeigen.

Käse wird hierzulande günstiger angeboten – wie lange noch? 

Wegen des starken Frankens, der unsicheren Weltwirtschaftslage und weil die Kundschaft vermehrt auf den Preis achtet, ist die Exportmenge von Schweizer Käse zurückgegangen. Das wiederum wirkt sich auf die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten aus. Im Detailhandel wird beispielsweise Gruyère immer häufiger günstiger angeboten, dazu würden die Laibe länger reifen. Auch kann dieser Käse recht vielseitig verwendet werden – als Fondue oder zum Überbacken.

Vor rund einer Woche habe die Branchenorganisation Milch auf Druck aufkommender Bauernproteste den Preis pro Liter um 3 Rappen erhöht, heisst es. Wann diese Erhöhung auf den Schweizer Käse Auswirkungen hat, hängt davon ab, inwiefern die Sortenorganisationen, Handelsfirmen und der Detailhandel die Preise weiterreichen.

veröffentlicht: 10. März 2024 10:29
aktualisiert: 20. März 2024 22:04
Quelle: ArgoviaToday

Anzeige
Anzeige
argoviatoday@chmedia.ch