Personalmangel

Zu wenig Arbeitskräfte – nicht nur Apotheken leiden

Matteo Fruci, 23. Dezember 2021, 17:04 Uhr
Aargauer Apotheken haben mit akutem Personalmangel zu kämpfen. In der aktuellen Lage fehlt es aber nicht nur an Apothekerinnen und Apothekern, auch andere Branchen haben wegen der Corona-Pandemie zu wenig Arbeitskräfte.
Verzweiflung: Viele Branchen leiden unter Personalmangel.

Bei gesundheitlichen Problemen sucht man oft eine Apotheke auf. Jetzt ist es aber umgekehrt: Wegen starkem Personalmangel sind die Aargauer Apotheken auf Hilfe angewiesen (ArgoviaToday berichtete).

Aber nicht nur Apotheken kämpfen; die Pandemie verursachte einen grossen Verschleiss an Personal, auch in den Spitälern: «Der Fachkräftemangel ist derzeit in praktisch allen medizinischen Berufen spürbar. Bei uns sind vor allem die Pflegeberufe betroffen», sagt Boris Rauscher, Mediensprecher vom Kantonsspital Aarau, gegenüber ArgoviaToday.

Situation in Hotels verschlechtert sich

Die Personalsituation in den Schweizer Hotels war schon vor Covid-19 extrem angespannt. Die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften oder Leuten, welche in der Branche eine Ausbildung machen wollen, hätten in der Pandemie weiter gelitten, sagt Patric Schönberg von HotellerieSuisse. Das liege hauptsächlich daran, dass die Hotelbranche in der Pandemiezeit als «sehr unsicher» wahrgenommen werde, weil sie von den Massnahmen sehr hart betroffen ist. «Der Personalmangel in der Hotellerie ist noch immer sehr akut. Dies zeigt sich jeweils auf die Sommer- oder Wintersaison hin. Wir haben Kenntnisse von Betrieben, welche auf diese Wintersaison kaum genug Personal gefunden haben, um einen geregelten Betrieb sicherzustellen», so Schönberg.

Es sei entscheidend, dass die Branche, die Betriebe und Verbände sich dafür einsetzen, dass die Attraktivität der Hotelbranche wieder in den Fokus tritt, fügt Schönberg an: «Nämlich das Arbeiten mit Leuten, das tagtägliche Zusammensein und das Glücklimachen von Menschen. Dass man zeigt, dass es eine schöne Branche ist.» Weiter sei wichtig, dass die Arbeitsbedingungen modernisiert werden und das Gesamtpaket für die Arbeitnehmenden so stimmt, wie es die heutige Generation von einem modernen und zukunftsgerichteten Arbeitgeber erwarten.

Um dies zu erreichen, lanciert HotellerieSuisse im nächsten Jahr die Initiative «Future Hospitality». Diese Initiative beinhalte verschiedene Projekte, Massnahmen und Hilfsmittel für Hoteliers, so Patric Schönberg.

Auch Reisebranche ringt um Personal

Auch in der Reisebranche herrsche ein Mangel an Fachkräften, so Christoph Huckele von Knecht Reisen gegenüber ArgoviaToday: «Die Pandemie führte zu diversen Abgängen bei vielen Reiseveranstaltern und Reisebüros, so auch in der Knecht Reisegruppe.» Die Kunden merken laut Huckele nichts davon, da die Beratungsqualität und der Service trotz Personalmangel gleich bleibe. Jedoch sei der Beratungs- und Bearbeitungsaufwand aufgrund der Unsicherheit und häufig wechselnden Bestimmungen deutlich gestiegen. Zudem rechnet Huckele nach dem Abflachen der Pandemie mit einer stark steigenden Nachfrage: «Wir sind daher seit geraumer Zeit intensiv am Rekrutieren von Reiseberaterinnen und Reiseberatern. Viele von ihnen haben die Branche verlassen und sind unterdessen in anderen Bereichen wie der Verwaltung tätig. Wir hoffen auf Branchen-Rückkehrer, erarbeiten parallel aber auch Einführungs- und Umschulungsprogramme für zukünftige Reisespezialisten.»

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 25. Dezember 2021 11:21
aktualisiert: 25. Dezember 2021 11:21
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