Nur 117 Hochzeiten

Rekordtief bei Eheschliessungen im Freiamt: Ist heiraten out?

· Online seit 27.01.2024, 12:03 Uhr
Im Zivilstandskreis Wohlen gab es im Jahr 2023 nur gerade 117 Eheschliessungen. Das ist der tiefste Wert seit der Gründung des entsprechenden Zivilstandskreises, der sogenannten Regionalisierung. Doch woran liegt das? Ist heiraten aus der Mode gekommen?
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Wohlen, Villmergen, Uezwil, Sarmenstorf, Büttikon, Dottikon, Hägglingen, Niederwil – sie alle gehören zum Zivilstandskreis Wohlen. Dort sind allerdings letztes Jahr nur gerade 117 Paare – im Jahr zuvor waren es noch knapp 150 – den Bund der Ehe eingegangen. Nie seit der Gründung war der Wert so tief wie im Jahr 2023. Ist heiraten aus der Mode gekommen?

Zahlen schwanken jährlich

Christine Fankhauser, Leiterin des regionalen Zivilstandsamt in Wohlen, verneint gegenüber ArgoviaToday: «Das hätte ich so jetzt nicht unbedingt gesagt.» Die Zahl sei 2023 zwar sehr tief gewesen, die Zahlen würden aber grundsätzlich immer von Jahr zu Jahr schwanken. Ausserdem gebe es auch Paare, die die sogenannte «Ehevorbereitung» in Wohlen vornehmen, dann aber auf einem anderen Zivilstandsamt den Bund fürs Leben schliessen.

«Bevor eine Trauung stattfinden kann, muss von Amtes wegen ein Ehevorbereitungsverfahren durchgeführt werden. Wenn dies abgeschlossen ist, hat man drei Monate Zeit, um zu heiraten. Für dieses Verfahren ist immer der Wohnort des Brautpaares zuständig – heiraten kann man danach aber auf jedem Zivilstandsamt der Schweiz», erklärt Fankhauser. So gebe es umgekehrt auch Paare, die in Wohlen heiraten, obwohl sie andern Ortes zu Hause sind. Das Zivilstandsamt Wohlen bietet sieben Locations – unter anderem das Schweizerische Strohmuseum – für die Trauung an. Diese scheinen sehr beliebt zu sein.

Im Zivilstandkreis Wohlen gab es laut Fankhauser nur sehr wenige Paare, die in der Region Wohlen wohnten, sich aber entschieden, auswärts zu heiraten. «Es gab nur 20 Paare, die 2023 bei anderen Zivilstandsämtern geheiratet haben», hält Fankhauser fest. Diese Zahl ist im Vergleich zu den Vorjahren sehr tief. 2022 waren es noch 31. Wichtig zu erwähnen: Gleichzeitig haben aber auch 19 Paare im Zivilstandskreis Wohlen geheiratet, welche ausserhalb des Kreises wohnhaft sind. Hier gibt und nimmt sich die Statistik also nicht viel. 

Mehr freie als kirchliche Trauungen 

Bei den Paaren, die heiraten, ist das Alter bunt gemischt. «Wir haben junge Paare und auch ältere Paare – das ist quer durchs Band gemischt», erzählt Fankhauser gegenüber ArgoviaToday.

Um in der Schweiz als verheiratet zu gelten, muss man sich auf dem Zivilstandsamt das Ja-Wort geben. Danach kann man jedoch frei entscheiden, ob man sich zusätzlich noch frei oder kirchlich trauen lassen möchte. «Die freie Trauung hat gegenüber der kirchlichen Trauung sicher zugenommen», sagt Fankhauser und betont, dass dies jedoch lediglich ihre subjektive Beobachtung sei. Nach der rechtlich gültigen zivilen Trauung ist der Prozess, den das Paar beim Zivilstandsamt durchläuft, nämlich beendet. Dieses kommt erst wieder ins Spiel, wenn es dann um Kinder oder die Scheidung geht.

Das Zivilstandsamt Wohlen versucht, Paare so individuell wie möglich zu betreuen. Denn: Nicht alle stellen sich den schönsten Tag in ihrem Leben gleich vor. «Früher waren es die Gemeindeschreiber, gesetzte, ältere Herren, die die Trauung noch mit dem ZGB in der Hand durchgeführt und jeden Artikel zitiert, das Ja-Wort abgenommen und das Paar unterschreiben haben lassen. Heute schaut man natürlich schon, dass man auch eine schöne Zeremonie bieten und individuell auf das Pärchen eingehen kann. Das ist uns wichtig.»

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veröffentlicht: 27. Januar 2024 12:03
aktualisiert: 27. Januar 2024 12:03
Quelle: ArgoviaToday

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