Aargau/Solothurn

Auch ein Kindergarten ohne Spielsachen kann sehr gut funktionieren.

Experiment im Kindergarten

Spielen ohne Spielsachen weckt die kreative Ader

22.02.2023, 17:57 Uhr
· Online seit 22.02.2023, 16:27 Uhr
«Es geht auch gut ohne», sagt Dan Weber. Der Kindergartenlehrer aus Langenthal hat für drei Monate alle Spielsachen aus seinem Zimmer verbannt. Dafür können die Kinder mit vielen anderen Materialien aktiv und kreativ werden.

Quelle: 32Today / Jael Fischer

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Holzbretter, Kartonschachteln, buntes Papier, Seile, Klebebänder und farbige Tücher: in den zwei Zimmern des Kindergartens von Dan Weber in Langenthal gibt es aktuell ganz viel Material. Daraus haben die Kinder in den letzten Wochen Höhlen, Häuser oder Parcours gebaut. «Normale» Spielsachen findet man aktuell dafür keine.

Die Spielsachen sind in den Ferien

Die handelsüblichen Bauklötze und Spielzeugautos habe man für drei Monate in die Ferien geschickt, sagt Dan Weber. In der Woche nach den Weihnachtsferien hat er mit den Kindern eine Abstimmung gemacht und entschieden, welches Spielzeug an welchem Tag in welches Land in die Ferien gehen soll. Lego und Duplo reisten nach Italien, die Bauernhoftiere nach Frankreich.

Die Idee des spielzeugfreien Kindergartens ist nicht neu. Dan Weber liess sich an einer Weiterbildung der Suchthilfe Schweiz für das Thema begeistern und setzt das Projekt nun mit zwei anderen Kindergartenklassen um. Die Eltern hätten sehr positiv darauf reagiert, sagt er.

In einem der beiden Zimmer balancieren zwei Jungs über einen Parcours aus Brettern und Bänkli, im anderen Zimmer haben sich zwei Mädchen in eine Hütte aus Kartonschachteln und Tüchern zurückgezogen. In einer Ecke schneidet ein Junge aus einem Stück Papier einen Elefanten aus. Alles ist selbst bestimmt. Es gibt keine vorgegebene Struktur und kein angeleitetes Spielen. Deshalb hat sich auch die Rolle von Dan Weber als Kindergartenlehrer verändert.

Es kann gut sein, dass es einem Kind auch mal langweilig ist im Unterricht. Dann darf es sich auf der «Langweile- und Nachdenkbank» überlegen, was es machen möchte. Wenn es Fragen oder Probleme gibt, kann es sich auf den blauen Stuhl setzen. Dort bekommt es Hilfe und Unterstützung. Es können aber nicht alle Kinder gleich gut mit der neuen Situation umgehen, sagt Dan Weber. Umgekehrt sei sie für die Kinder eine grosse Chance, sich besser durchzusetzen und zu selbständig entwickeln.

«Bis jetzt sind die Erfahrungen sehr positiv», sagt Dan Weber. Einige Kinder hätten sogar zu Hause im Spielzimmer einen Teil der Spielsachen durch Karton ersetzt. Das Projekt endet nach den Frühlingsferien. Dann wird gemeinsam entschieden, wann welche Spielsachen wieder zurück in den Kindergarten kommen. Dan Weber kann sich sehr gut vorstellen, das Projekt in Zukunft regelmässig zu wiederholen.

veröffentlicht: 22. Februar 2023 16:27
aktualisiert: 22. Februar 2023 17:57
Quelle: 32Today

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