Aargau/Solothurn

Elterntaxis: Neuenhof setzt auf Sensibilisierung statt Bussen

Zu Fuss zur Schule

Woche ohne Elterntaxis: Neuenhof setzt auf Sensibilisierung statt Bussen

· Online seit 07.05.2024, 17:36 Uhr
Im Rahmen einer Umweltwoche sollen Neuenhofer Eltern darauf verzichten, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden will man auf Halteverbote und Bussen verzichten. Die Verantwortlichen erklären, warum.
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Verschiedene Aargauer Gemeinden haben im Kampf gegen Elterntaxis in den vergangenen Jahren drastische Massnahmen ergriffen. In Seon etwa musste bereits die Polizei eingeschaltet werden. In Turgi bekommen Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, eine Busse von 80 Franken. Und in Kölliken blieben Elterntaxis trotz Halteverbot vor der Schule ein Ärgernis.

Die Gemeinde Neuenhof versucht es nun mit milderem Vorgehen: Sie ruft Eltern im Rahmen der Neuenhofer Umweltwochen dazu auf, das Auto in der kommenden Woche in der Garage stehen zu lassen und die Kinder stattdessen zu Fuss auf den Schulweg zu schicken. Den Kindern soll die Chance gegeben werden, ihren Schulweg aktiv und selbständig unter die Füsse oder unter zwei Räder zu nehmen, schreibt die Gemeinde. Ziel sei, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, wie man sich im Strassenverkehr verhält. Und sie sollen ein paar Minuten Selbständigkeit geniessen.

«Teilweise halten Eltern auf dem Fussgängerstreifen an»

In den nächsten Tagen werden darum rund um das Schulhaus und den Kindergarten Plakate aufgehängt und während der elterntaxifreien Woche Banner über Strassen gespannt. Zudem thematisieren Lehrerpersonen den Schulweg mit ihren Schülerinnen und Schülern und suchen das Gespräch mit den Eltern. «Wir wollen sensibilisieren», sagt Daniel Lötscher, Leiter Tiefbau, der für das Projekt verantwortlich ist. Teilweise herrsche vor der Schule und vor dem Kindergarten so viel Verkehr, dass es zu gefährlichen Situationen komme. «Es gibt Eltern, die einfach überall halten, man hat das Gefühl, ohne Rücksicht auf Verluste. Unter anderem stehen Autos manchmal auf Fussgängerstreifen», sagt Lötscher. Die Folge sei, dass sich Schülerinnen und Schüler auf dem Velo oder zu Fuss zwischen den Autos durchschlängeln müssen.

Doch kann eine einzelne Woche ohne Elterntaxis das Problem nachhaltig lösen? Eine berechtigte Frage, sagt Lötscher. Es soll aber eben nicht bei dieser einen Woche bleiben: «Wir planen, dass wir solche Zeitspannen ohne Elterntaxis künftig regelmässig wiederholen und so die Sensibilisierung aufrecht halten.»

Schüler sollen sich gegenseitig und ihre Eltern motivieren

Langfristig sei das Ziel, Elterntaxis in Neuenhof so gut es geht zu reduzieren. Man habe zwar auch härtere Massnahmen diskutiert, etwa Bussen oder Halteverbote. Doch die Beispiele aus anderen Gemeinden hätten gezeigt, dass auch solch rigoroses Vorgehen kaum etwas nützt, sagt Lötscher.

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Stattdessen setzen die Verantwortlichen auf Sensibilisierung und Eigenverantwortung. Das Wunschszenario wäre, dass einerseits die Schüler selber ihre Eltern für den Schulweg ohne Auto motivieren. Dazu laufen einzelne Klassen die Schulwege ab und markieren sie mit selbstbemalten Figuren. «So wollen wir den Eltern zeigen, dass die Schulwege auch zu Fuss oder mit dem Fahrrad sicher sind und sich niemand Sorgen machen muss», so Lötscher.

Andererseits erhofft man sich bei der Gemeinde, dass sich die Schüler gegenseitig anstacheln, gemeinsam in die Schule zu laufen. «Wenn wir nur ein paar wenige Schülerinnen und Schüler und einige Eltern erreichen, haben wir schon viel gewonnen», gibt sich Lötscher positiv.

veröffentlicht: 7. Mai 2024 17:36
aktualisiert: 7. Mai 2024 17:36
Quelle: ArgoviaToday

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