Bundesrat

Keine Ego-Kandidatur – Jositschs Konkurrenz bringt sich in Stellung

09.09.2023, 22:39 Uhr
· Online seit 08.09.2023, 05:40 Uhr
SP-Ständerat Daniel Jositsch ist zurzeit der einzige Vertreter seiner Partei, der Bundesrat werden will. Dies könnte sich bald ändern, wie Recherchen zeigen. Andernfalls würde SP-Nationalrat Eric Nussbaumer persönlich für eine Auswahl sorgen.
Anzeige

Wird ein Bundesratssitz frei, ist Daniel Jositsch zur Stelle. Auch nach seinem gescheiterten Anlauf für die Nachfolge von SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga letzten Dezember, ist der Zürcher SP-Ständerat frohen Mutes für das Amt in der Landesregierung.

Am Dienstag gab er seine Kandidatur für den Bundesrat bekannt – bevor das Kandidatenkarussell überhaupt richtig zu drehen begonnen hat. Noch bis am 29. Oktober können interessierte Parteimitglieder ihre Kandidaturen einreichen.

«Würde nicht zu unserer Demokratie passen»

Der Baselbieter SP-Nationalrat Eric Nussbaumer hatte im Vorfeld angekündigt, als Bundesratskandidat anzutreten, wenn Daniel Jositsch der einzige Anwärter sei. Nussbaumer hält nach wie vor an diesem Vorhaben fest. «Steht Daniel Jositsch alleine zur Verfügung, trete ich an», sagt er gegenüber der Today-Redaktion.

Bis bekannt werde, ob er antrete oder nicht, werde noch viel Zeit vergehen. «Die Frist für die Einreichungen der Kandidaturen ist ja noch sehr weit weg.» Es würde ihn erstaunen, wenn nur eine Person kandidieren würde.

Kurz nach Alain Bersets Rücktrittsankündigung warf bereits der Basler SP-Nationalrat Mustafa Atici seinen Hut in den Ring. Da er erst seit 2019 im Nationalrat ist und damit wenig bekannt, werden ihm jedoch geringe Chancen zugesprochen. Seine Kandidatur sorgte bisher deshalb auch kaum für Aussehen.  

Es brauche eine Auswahl

Bei manchen Mitgliedern der SP-Fraktion machte sich Jositsch unbeliebt, als er sich im Dezember 2022 trotz Frauenticket für den Sitz von Simonetta Sommaruga bewarb. Es gehe ihm nicht darum, Jositsch als Bundesrat zu verhindern, sagt Eric Nussbaumer. «Es braucht einfach eine Auswahl. Es würde zu unserer Demokratie nicht passen, wenn eine Person alleine kandidieren würde.»

Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass der Zürcher Ständerat Konkurrenz bekommen wird. Laut Today-Recherchen gibt es aktuell ein Parlamentsmitglied, das mit 90-prozentiger Sicherheit kandidieren will. Definitiv entscheiden und öffentlich verlautbaren möchte sich die Person allerdings erst im Laufe des Monats.

«Kenne die Prozesse in Bundesbern bestens»

Die eigenen Chancen für das Amt beurteilt Eric Nussbaumer nüchtern. Der 63-jährige Elektroingenieur ist seit 2007 Nationalrat. Aktuell ist er erster Vizepräsident des Nationalrats und Mitglied der Aussenpolitischen Kommission. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Energie- und Umweltpolitik sowie die Aussenpolitik.

Du willst keine News mehr verpassen? Hol dir jetzt die Today-App:

Für ihn als Bundesrat würde sprechen, dass er schon lange in der Politik sei und die Prozesse in Bundesbern bestens kenne, sagt Nussbaumer. «Ich bin bekannt als einer, der konstruktiv eine Lösung zu finden versucht und mit Kompromissen arbeitet.» Ein Exekutivamt habe er nie besetzt. «Die nötigen Führungsqualitäten habe ich in meinem Berufsleben gesammelt, diverse Firmen operativ und auf Verwaltungsebene geleitet.»

«Möchte nicht Joe Biden vom Baselbiet werden»

Als möglichen Nachteil sieht der Baselbieter sein Alter. Er wäre ein eher älterer Bundesratskandidat, sagt er. Als Bundesrat müsse man mit einer Amtsdauer von mindestens acht Jahren rechnen. Das Amt sei ein 150-Prozent-Job.

«Ich muss mir daher noch einmal überlegen, ob ich als Joe Biden vom Baselbiet in die Geschichte eingehen möchte», sagt der dreifache Vater und siebenfache Grossvater augenzwinkernd. Was am Ende zähle, sei aber auch nicht das Alter, sondern die Fähigkeit einer Person.

Eine wilde Kandidatur schliesst Daniel Jositsch diesmal aus. «Ich trete nur an, wenn meine Fraktion mich nominiert», sagte er am Dienstag vor den Medien. SP-Co-Fraktionspräsidentin Samira Marti sagte, dass es sich weder um einen Frauen- noch ein Männersitz handle. «Mit dieser Offenheit gehen wir in den Prozess. Ich freue mich über alle Kandidaturen.»

veröffentlicht: 8. September 2023 05:40
aktualisiert: 9. September 2023 22:39
Quelle: Today-Zentralredaktion

Anzeige
Anzeige
argoviatoday@chmedia.ch