Anonymer Aufruf

Instagram-Account hilft Zurich-Pride-Besuchenden bei der Schwarm-Suche

· Online seit 21.06.2023, 06:17 Uhr
Du hast dich an der Zurich Pride in eine Person verguckt, die dir seither nicht mehr aus dem Kopf geht? Dank Social Media gibts jetzt Hoffnung. Ein Instagram-Kanal hilft, den Schwarm von Pride-Teilnehmenden ausfindig zu machen.
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Als Nadine vor zwei Jahren an der Zurich Pride war, um für ihre Community zu demonstrieren und sie zu feiern, kam ihr die Idee für den Instagram-Kanal «pridespotted». «Oft traut man sich nicht, Menschen anzusprechen, die man attraktiv findet», sagt die 21-jährige Frau, die selber auf Frauen steht.

Das Konzept «spotted», zu deutsch «gesehen» oder «entdeckt», kannte sie schon aus Social Media, zum Beispiel von einem Instagram-Kanal aus Luzern. «Ich dachte mir, ich mache einen ähnlichen Account für queere Personen», erinnert sich Nadine, "damit auch sie sich untereinander verbinden können.”

Über 70 Nachrichten seit der Zurich Pride

Der Account ist auf Anhieb auf grosses Interesse gestossen. «Ich habe von Anfang an viele Nachrichten erhalten und Steckbriefe von Menschen, die jemanden suchen», sagt Nadine. Vor allem seit der Zürcher Pride vom vergangenen Wochenende erreichen sie wieder sehr viele Nachrichten.

Bereits 71 Posts hat Nadine seit letztem Samstag auf ihrem Kanal veröffentlicht. «Ich bin ziemlich beschäftigt damit, alle Nachrichten zu bearbeiten und Leute miteinander zu verlinken. Einige Instagram-User:innen haben mir auch schon angeboten, mir dabei zu helfen.»

«Person geht mir nicht mehr aus dem Kopf»

Wer jemanden sucht, den er oder sie an der Zurich Pride gesehen hat, oder einfach so neue Menschen kennenlernen möchte, kann sich bei «pridespotted» anonym melden. Nadine postet die Nachricht anschliessend als Screenshot auf dem Kanal. Wer sich angesprochen fühlt oder weiss, um wen es sich handelt, kann sich auf dem Kanal melden.

«Ich sah eine Person an der Pride, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht», lautet eine Nachricht, die auf «pridespotted» gepostet wurde.

Die Nachricht geht mit einer Beschreibung der gesuchten Person weiter: «Sie hat lange, braune Locken und trug ein rotes Bikinioberteil und einen Nasenring.» Rund einen Tag später taucht im Kommentarfeld des Posts eine Nachricht auf. Eine junge, lockige Frau mit einem goldenen Nasenpiercing schreibt: «Das könnte eventuell ich gewesen sein? Falls ja, trau dich, dich bei mir zu melden, ich würde mich freuen.»

Ob sich daraus eine Romanze ergibt, ist zurzeit noch unklar. Auf Anfrage von ZüriToday hat sich die kommentierende Person noch nicht gemeldet.

Liebesglück dank «pridespotted»

Bei dem ganzen Aufwand ist Nadine auch gespannt zu hören, was sich aus einem Match entwickelt. «Es kam schon vor, dass eine Person gefunden wurde, die schon in einer Beziehung war. Oder, dass ein Date entsteht zwischen Menschen, bei denen es dann doch nicht passt. Das gibts natürlich auch», so die Matchmakerin.

Umso mehr freut sich Nadine darüber, wenn sich tatsächlich zwei Menschen finden. «Letztens habe ich sogar eine Nachricht erhalten von einer Person, die mittlerweile in einer Beziehung ist mit jemandem, den sie durch ‹pridespotted› gefunden hat. Das motiviert mich, damit weiterzumachen.»

Auch Freundschaften können entstehen

Doch nicht nur für eine potenzielle Liebschaft führt «pridespotted» Menschen zusammen. Im Vorfeld des Lila Festivals, einem weiteren Zürcher Queer-Event, suchte jemand via Post eine Begleitung für das Festival. Sie habe den Post gesehen, erzählt Ladina S. ZüriToday. Sie und eine weitere Person, Mira K., hätten auf den Aufruf geantwortet. «Ich fand Miras Profil sympathisch und habe ihr eine private Nachricht geschickt», schildert Ladina.

«Schlussendlich sind wir zusammen ans Lila Festival gegangen.» Aus der Bekanntschaft ist schnell mehr entstanden – aber nicht etwa Liebe. «Es hat zwar nicht auf diese Art gefunkt, aber mittlerweile sind wir sehr gute Freundinnen», sagt Ladina. Inzwischen gehen die beiden sogar gemeinsam in die Ferien.

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veröffentlicht: 21. Juni 2023 06:17
aktualisiert: 21. Juni 2023 06:17
Quelle: ZüriToday

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