Ex-Butlerin verrät

«Der Buckingham Palace war ein Tal der Tränen»

20. September 2022, 16:26 Uhr
Die Nidwaldnerin Zita Langenstein ist am Montagabend wieder in der Schweiz gelandet. Als ehemalige Butlerin der Queen war sie ebenfalls an der prunkvollen Beerdigung beteiligt. Sie erzählt uns vom berührenden Tag voller Trauer und Perfektion.
Die ehemalige Butlerin der Queen Zita Langenstein war am Montag in England an der Beerdigung beteiligt.
© zVg

Bereits am Vortrag der Beerdigung war im und um den Buckingham Palace einiges los. Für Zita Langenstein aus Nidwalden, langjährige, ehemalige Butlerin der Queen, gab es deshalb viel zu tun: «Am Sonntag arbeitete ich im Buckingham Palace am grossen Empfang. Ich habe viel vorbereitet, Parkierende eingewiesen, Mäntel abgenommen, serviert und vieles mehr.» Den hochrangigen Gästen wie dem früheren spanischen König Juan Carlos oder dem schwedischen Königspaar, aber auch US-Präsident Joe Biden, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron sowie Bundespräsident Ignazio Cassis wurden etwa Häppchen, Wein und Champagner serviert.

«Tal der Tränen»

Obschon sich die Queen für ihre Beerdigung einen freudigen Tag gewünscht hatte, war die Stimmung äusserst betrübt. Langenstein berichtet vom Personal aus dem Hause der Monarchen: «Alle der Mitarbeiter, die schon Jahrzehnte für die Queen arbeiteten, waren sehr traurig. Der Buckingham Palace war wirklich ein Tal der Tränen.»

13 Stunden in der Reihe gestanden

Zita Langenstein wollte sich ebenfalls von der Queen verabschieden, deshalb schloss sie sich auch der Warteschlange an: «Ich bin 13 Stunden angestanden. Es war sagenhaft, wie die Leute Englands trauern und weinen.» Neben aller Betroffenheit zeigten die Engländer aufgrund des Alters der Queen Verständnis und Dankbarkeit. In den Sarg schauen konnte man nicht und trotzdem war der Abschied «sehr eindrücklich», erzählt Langenstein. «Alle konnten individuell, auf eigene Art und Weise, Abschied nehmen.» Auch König Charles sei sehr berührt gewesen. Dies, obwohl er «sehr intensive Tage» hatte. Denn eine solche Beerdigung zu organisieren, sei nicht so einfach, «man kann ja nicht stundenlang üben».

Britische Sorgfalt

«Die Engländer organisierten den Anlass weltbeste Klasse», berichtet Langenstein. Auch der zeitliche Ablauf sei wie am Schnürchen gelaufen. Die Königshausdienerin zeigt Begeisterung: «Bei uns startet noch nicht mal ein Fasnachtsumzug pünktlich und die Engländer sind sogar bei einem Event bei dieser Grösse unglaublich präzise.» Ein Beispiel: Die perfekten Schritte. «Da gibt es in diesen Militärgruppen Personen, die nur dafür da sind, die Schrittkonzepte zu entwickeln. Die zählen diese Schritte.» So würden sie sichergehen, dass alles aufgehe. Ein Kunstwerk, sozusagen.

Zita Langenstein empfiehlt auch jenen, die es nicht wahnsinnig interessiere, doch noch Aufnahmen der Beerdigung anzusehen. Die Butlerin ist überzeugt: «Es war einzigartig und historisch. Heutige Generationen werden so etwas nicht mehr so schnell erleben. Auch wenn der nächste King sterben wird, wird es diese Dimension kaum mehr erreichen.»

(cyf)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 20. September 2022 16:27
aktualisiert: 20. September 2022 16:27
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