2. Wahlgang

Ständeratswahlen: Binder-Keller oder Giezendanner – wer holt den zweiten Sitz?

16.11.2023, 13:45 Uhr
· Online seit 15.11.2023, 10:10 Uhr
Einige Kantone haben es bereits hinter sich, der Aargau noch nicht. Am 19. November soll sich nun aber entscheiden, wer neben Thierry Burkart in den Ständerat einzieht. Für den zweiten Wahlgang gibt es vier Kandidaturen – entscheiden wird es sich aber wohl zwischen zwei.
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105'897 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 96'112 Stimmen: Mit diesem Glanzresultat bestätigte der bisherige Ständerat und FDP-Politiker Thierry Burkart im ersten Wahlgang seinen Sitz. Ausser ihm schaffte es niemand, sich auf Anhieb einen Platz im Ständerat zu sichern. Deshalb kommt es nun am 19. November zu einem zweiten Wahlgang.

Diese Kandidierenden stellen sich zur Wahl

Waren es im ersten Wahlgang noch zehn, sind es nun nur noch vier Kandidaten und Kandidatinnen, die sich für den Ständerat zur Wahl stellen. Burkart ist bereits gewählt, Gabriela Suter (SP), Irène Kälin (Grüne), Barbara Portmann (GLP), Lilian Studer (EVP) und Theres Schöni (LOVB) haben ihre Kandidaturen zurückgezogen.

Für den zweiten Wahlgang bleiben somit Marianne Binder-Keller (Die Mitte), Benjamin Giezendanner (SVP), Nancy Holten (parteilos) und Pius Lischer (IG Gesundheit).

Das empfehlen die Parteien

Hinter Marianne Binder-Keller stehen neben der Mitte auch die GLPdie Grünendie EVP und die SP, deren Kandidatin Gabriela Suter sich zurückgezogen hat, um zu verhindern, «dass der zweite Aargauer Ständeratssitz an die SVP geht».

Die FDP hingegen sprach sich klar für SVP-Kandidat Benjamin Giezendanner aus. Eine «weiterhin ungeteilte bürgerliche Aargauer Standesstimme» sei von zentraler Bedeutung, hiess es in einer Medienmitteilung der Partei vor wenigen Wochen. Auch die eigene Partei, die SVP, steht klar und deutlich – mit eigenem Werbebanner oben auf der Parteiwebsite – hinter Giezendanner.

So stehen die Chancen für Binder-Keller

Doch wer hat nun die Nase vorn? Beide haben Chancen. Binder-Keller könnten vor allem die Sympathisanten ausserhalb der eigenen Partei zugutekommen. Einerseits haben die Mitte-Links-Parteien sich klar für sie ausgesprochen. Andererseits sei die Mitte-Politikerin beliebt, sagt Politologe Mark Balsiger. Er verweist auf die Panaschierstimmen bei den Nationalratswahlen, bei denen Binder-Keller parallel zum ersten Wahlgang des Ständerates ebenfalls kandidiert hatte: «Die Statistik zeigt, dass Marianne Binder-Keller als Nationalrätin am zweitmeisten Panaschierstimmen – also Stimmen ausserhalb der eigenen Partei – geholt hat.»

Quelle: ArgoviaToday / Michelle Brunner / Lorenz Barazetti / Oliver Varga / Severin Mayer

Das sei zwar lediglich ein Hinweis, sagt Balsiger. Aber er ergänzt: «Marianne Binder ist bei anderen Parteien deutlich anschlussfähiger. Sie hat fast 3300 Panaschierstimmen mehr geholt als Nationalrat Giezendanner.»

Beim ersten Wahlgang für den Ständerat hatte Binder-Keller zwar einen grossen Rückstand – Giezendanner holte mehr als doppelt so viele Stimmen – dies aber bei einer komplett anderen Ausgangslage und mit sechs Kandidatinnen und Kandidaten mehr als nun im zweiten Wahlgang. «Der zweite Wahlgang hat eine neue Dynamik. Jetzt heisst es: Binder oder Giezendanner», meint Balsiger.

Giezendanner ist der Favorit – noch

Benjamin Giezendanner preschte im ersten Wahlgang vor. Sein Name stand auf 42.5 Prozent aller gültigen Wahlzettel, während Binder-Kellers Wert bei 24 Prozent lag.

Quelle: ArgoviaToday / Michelle Brunner / Lorenz Barazetti / Oliver Varga / Severin Mayer

Balsiger schätzt ein: «Bei Benjamin Giezendanner gehe ich davon aus, dass er sein Potenzial praktisch ausgeschöpft hat. Seine Basis ist der grosse SVP-Block, der etwa 35 Prozent ausmacht. Sie geht am Sonntag noch einmal wählen, denn sie ist diszipliniert und will ihren Sitz verteidigen. Die FDP-Basis hingegen geht – und das ist eine Langzeiterfahrung – viel weniger diszipliniert wählen, weil sie Thierry Burkart schon im ersten Wahlgang durchgebracht hat.»

Das bedeute, dass man bei den Freisinnigen, die typischerweise SVP wählen würden, von einer deutlich schwächeren Beteiligung ausgehen könne. Die Chancen, ausserhalb von SVP- und FDP-Kreisen noch viele Stimmen zu holen, seien für Giezendanner bescheiden.

Wer gewinnt? 

Die Frage nach dem Sieger oder der Siegerin des zweiten Wahlgangs am Sonntag dürfte sich also wohl an zwei Faktoren entscheiden: Zum einen, wie viele FDP-Wähler und -Sympathisantinnen zur Urne gehen und Benjamin Giezendanner ihre Stimme geben. Und zum anderen, wie stark die Basis jener Parteien, die sich offiziell für Marianne Binder-Keller ausgesprochen haben, die Mitte-Kandidatin auch wirklich wählen werden.

Für Balsiger ist klar: «Benjamin Giezendanner ist Favorit. Aber es kann sehr wohl sein, dass es eng wird.» Sollte Mitte-Links nämlich sehr stark mobilisieren, könnte Binder-Keller für eine grosse Überraschung sorgen, sagt Balsiger.

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veröffentlicht: 15. November 2023 10:10
aktualisiert: 16. November 2023 13:45
Quelle: ArgoviaToday

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